+++ 1,02 Milliarden Menschen leiden Hunger. Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind an Unterernährung +++ 1% der Weltbevölkerung kontrolliert 40% des Weltvermögens +++ Rund 20% der Deutschen und 17% deutscher Führungskräfte praktizieren bereits spirituelle Techniken. Macht circa 800000 Manager, die meditieren oder Yoga betreiben +++ 80% unserer Energie werden immer noch durch die Verbrennung fossiler Ressourcen erzeugt +++ Der Lohn-Anteil am Volkseinkommen sank in Deutschland zwischen 1999 und 2007 von 72% auf 64% – zugunsten des Unternehmens- und Vermögensanteils +++ 70% des Frischwasserverbrauchs entfallen auf die Ackerbewässerung +++ 300 bis 400 Milliarden Euro würde die Bekämpfung des Klimawandels jährlich kosten. Zum Vergleich: Für den Irakkrieg gaben die USA insgesamt über 2 Billionen Euro aus +++ 44% der Deutschen meinen, dass sie ein gesundheitsbewusstes und nachhaltiges Leben führen. Diese Haltung vertritt vor allem die Generation 55 plus +++ Die Fläche Taiwans schwindet jedes Jahr um 2% +++


Krisenkommentare

Jeden Tag liefern sich das alte und das neue Denken zum Teil heftige Gefechte um die Vorherrschaft auf der Erde. Die Besitzstandswahrer treten an gegen die Vertreter eines neuen, nachhaltigen und ganzheitlichen Bewusstseins.
 
Hier kommentiert Martin Häusler, Autor des Buches „Die wahren Visionäre unserer Zeit“, die Vorgänge in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur.
 
 

25.07.2011 - Fürchtet euch nicht! Die Vertreibung der deutschen Angst
Eine Reise durch die ängstliche Republik, 20 Begegnungen, zwei Quintessenzen – mein neues Buch ab 10. August im Handel

Dass ich einige Wochen nicht mehr regelmäßig das Weltgeschehen kommentiert habe, hat nichts damit zu tun, dass es mir inzwischen egal wäre. Mein neues Buch musste einfach fertig werden. Ich habe mich im vergangenen halben Jahr einem Thema angenommen, das auch in diesem Blog immer wieder auftauchte: der deutschen Angst.

Den positiven Effekten, die die akute Angst hat – sie bringt uns auf die Straße! –, stehen die lähmenden Effekte der gerade grassierenden Zukunftsangst gegenüber. Es sind die Ängste vor Geldentwertung und Armut, vor Klimawandel und Umweltzerstörung, vor Terroranschlägen und Zivilisationsseuchen. Es sind die Ängste vor dem totalen Verlust. Warum fürchten wir Deutschen den gerade so sehr? Und wie können wir uns aus unserer Angstspirale befreien? Mit diesen Fragen reiste ich durch die Republik und sprach mit 20 Angstkronzeugen – darunter Roland Koch, Ulrich Tukur, Rüdiger Nehberg, Christoph Daum, Charlotte Knobloch oder Esther Schweins.

Meine Begegnungen sind nun niedergeschrieben, ich habe sie kommentiert, und ich konnte klare Schlüsse daraus ziehen: die deutsche Angst vererbt sich, und sie hat sich beschleunigt durch unseren Kniefall vor dem Materialismus. "Fürchtet euch nicht! Die Vertreibung der deutschen Angst" heißt das Buch, das ab 10. August im Buchhandel liegt und bei Amazon zu bestellen ist. Es trägt viele Überraschungen, große Weisheiten und ein gutes Stück Hoffnung in sich. Es bringt Klarheit in den diffusen Begriff der deutschen Angst und könnte dabei helfen, uns diese überwinden zu lassen.























04.05.2011 - Der Tod eines Terroristen und die merkwürdigen Reaktionen des Westens
Warum ich keine Freude empfand, als Osama starb

Dass Osama Bin Laden ein Verbrecher gewesen ist, ein Terrorist, ein Auftraggeber von Massenmord, darüber muss niemand mehr diskutieren. Trotzdem konnte ich nicht anders, als bei der Nachricht über seinen Tod regungslos zu bleiben, ernst, nachdenklich. Sofort kamen mir das "Und jetzt?" in den Sinn, die Konsequenz. Die anschließend übermittelte Euphorie auf dem New Yorker Times Square, die nach der US-Mission veröffentlichten Details sowie die Stellungnahmen diverser Politiker bestärkten meine erste Reaktion.

Ein amerikanischer Präsident mit Friedensnobelpreis in der Schublade beauftragt ein Killerkommando, das den aufgespürten Staatsfeind nicht festnimmt oder durch einen gezielten Schuss kampfunfähig macht, sondern tötet. Amerikanische Staatsbürger benehmen sich, als hätte das US-Soccerteam die WM gewonnen. Eine deutsche Kanzlerin drückt ihre Freude über den Tod Bin Ladens aus.

Über diese Tötung, Ermordung, Liquidation – wie auch immer – kann ich als Christ keine Freude empfinden, und mir fehlt jedes Verständnis für diese Freude. Denn diese Freude steht für ein vollkommen gestriges Weltbild, ein Weltbild des "Auge um Auge", ein Weltbild, das besser zum martialischen Großgrundbesitzergehabe eines George W. Bush gepasst hätte.

Nein, mit dem Tod Osama Bin Ladens wurde kein Trauma aufgelöst, wie deutsche Moderatoren moderierten. Ein Trauma löst man auf durch offene, ungehemmte, emotionale Trauer und nicht durch die Auslöschung des Täters.


17.03.2011 - Die Regierung verhöhnt die Atomkraft-Mahner
Das nukleare Desaster von Fukushima ist kein neues Szenario mit Überraschungseffekt

Heute früh verfolgte ich über zweieinhalb Stunden auf Phoenix die Regierungserklärung von Angela Merkel zum Atomkurs und die darauf folgende Aussprache. Man könnte lange Abhandlungen über diverse Aussagen diverser Sprecher verfassen. Hier sei aber nur ein Gedanke vermerkt.

Mich regt in der Debatte um den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg ein Argument besonders auf, und ich ärgerte mich darüber, dass kein einziger Redner der Opposition die Regierungsmannschaft darauf ansprach. Wird das eiligst installierte Moratorium nicht damit begründet, dass wir mit den apokalyptischen Ereignissen in Japan eine neue Lage hätten, die nun zu einer neuen Bewertung führen musste? Wird nicht u.a. von der Bundeskanzlerin immer wieder betont, dass sich niemand, wirklich niemand, hat vorstellen können, dass ein multipler GAU wie in Fukushima tatsächlich einmal passieren könnte?

In Anbetracht dieser ständig wiederholten Aussagen hätte ich mir gewünscht, dass einer der Gegenredner aufgestanden wäre und pariert hätte: "Wie bitte? Niemand konnte sich das aktuelle Szenario vorstellen? Mit dieser Aussage verhöhnen Sie nicht nur die Intelligenz von Millionen Menschen, die seit den 80er Jahren regelmäßig auf die Straßen gehen, um gegen die Atomkraft und deren Gefahren zu protestieren! Mit dieser Aussage verhöhnen Sie nicht nur die Mahner aus Wissenschaft, Kirche und Politik. Mit dieser Aussage verhöhnen Sie auch die Opfer solcher Katastrophen!"

Es hat sich vielleicht das größte Atomdesaster aller Zeiten am 11. März 2011 seinen Weg in die Wirklichkeit gebahnt, aber, nein, neu ist dieses Szenario nicht. Daher muss man hier und heute ganz klar statuieren, dass sich sämtliche Atomnationen mit schuldig gemacht haben.


14.03.2011 - Ein Mutiger muss den Anfang machen
Warum auch eine Atomnation wie Frankreich zum Ausstieg zu bewegen ist

Ich wurde in den letzten Tagen häufiger mit dem Argument konfrontiert, dass ein Atomausstieg Deutschlands nichts bringe, wo unser Nachbar Frankreich doch übersät ist mit Atomkraftwerken. Das ist natürlich Blödsinn und genau so falsch wie die alte Behauptung, ein einzelner Mensch könne nichts zur Veränderung der Gesellschaft beitragen. Wie oft kam der Impuls für Wandel aus einem einzigen Gehirn? Immer.

Dieses Prinzip des kleinstmöglichen Impulsgebers kann ohne weiteres auf Staatensysteme übertragen werden. Auch hier geht es um den Willen einzelner Personen. Auch hier muss ein Mutiger den Anfang machen. Diesen Impuls braucht Frankreich. Denn verfolgt man die dortigen Debatten, muss man ins Grübeln kommen. Dass Industrieminister Eric Besson in Nibelungentreue zur Kernenergie hält, ist erwartbar. Dass aber auch Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Moriset die Atomkraft über alles preist, scheint wie aus der Zeit gefallen. Frankreich gewinnt 80 Prozent seiner Energie über insgesamt 58 Atomkraftwerke. Diese Nation zelebriert die Atomkraft. Sie gehört zu Frankreich wie Eiffelturm und Baguette.

Nutzt Deutschland das sich aktuell öffnende Zeitfenster, um eine Vorreiterrolle einzunehmen, kann es zum globalen Impulsgeber werden.

Selbstverständlich wäre auch die EU dazu in der Lage. Möglicherweise kommt der nötige Impuls von Daniel Cohn-Bendit. Angesichts der Ereignisse in Japan fordert der Europaabgeordnete der Grünen endlich eine breite Atomdebatte in Frankreich und will eine Volksabstimmung in die Wege leiten. Diese Debatte ins Land zu tragen, scheint dringend notwendig. Glaubt man den Berichten vom Wochenende, nahmen an einer Antiatomkraft-Demo in Paris gerade mal 200 Menschen teil.


13.03.2011 - Ein historischer Moment für Veränderung!
Warum uns die Katastrophen von Japan in ein neues Bewusstsein führen müssen

Gehen wir davon aus, dass alles einen Sinn hat, von den schönsten bis zu den grausamsten Dingen dieser Erde, dann liegt auch eine tiefere Bedeutung in der Katastrophe von Japan. Einen Sinn hat dieses mich zutiefst schockierende Desaster allerdings nur dann, wenn wir uns Gedanken darüber machen und unsere Lehren daraus ziehen. Wahre Lehren wiederum können wir nur dann ziehen und verinnerlichen, wenn wir sie aus dem Herzen heraus begreifen und sie nicht strategisch von runden Tischen, Krisenstäben oder Konferenzen entwickeln und mit Absichten pervertieren. Lehren, die der Verstand ersinnt, sind nicht nachhaltig. Lehren, die das Herz uns begreifen lässt und damit in der Tradition der Nächstenliebe stehen, wirken ewig. Sie werden selbstverständlicher Bestandteil unseres Bewusstseins. Die Ereignisse von Japan – Erdbeben, Tsunami, nuklearer GAU – haben die Menschen dieser Erde gleichermaßen in ihren Herzen getroffen und zu einem gigantischen, mitfühlenden Verbund gemacht. Die große Chance für eine nachhaltige Veränderung unseres Denkens und Handelns ist jetzt gekommen!

Systeme ändern sich nur durch Erschütterungen. Solange sie leise und selbst nach den unmenschlichsten und gefährlichsten Regeln funktionieren, behalten sie Bestand. In den wenigen historischen Momenten, in denen sie labil werden, sie sogar zusammenbrechen, ist die Stunde der Veränderung gekommen, einer herzensgelenkten Veränderung. Blicken wir zurück in der Menschheitsgeschichte, lassen sich neue Systeme nach neuen Regeln erst nach dem Zusammenbruch der alten ausrufen. Jetzt ist der Moment des Ausstiegs aus der Kernenergie gekommen! Jetzt ist der Moment für eine radikale Nachhaltigkeit in der Energieversorgung unseres Planeten gekommen! Jetzt ist der Moment gekommen, Energiepolitik auf "global" umzustellen, und damit das Ende des nationalen Herumhantierens mit den Energieformen der eigenen Haus-und-Hof-Ökonomien! Jetzt ist der Moment gekommen, das Wohl der kommenden Generationen mit in das aktuelle politische Handeln zu integrieren!

Mir war immer völlig klar, dass dieser Moment, den wir gerade in Japan erleben, kommen wird. Er musste kommen. Denn der Mensch wird die entfesselte Atomkraft nie beherrschen können. Denn auch hier und erst recht hier gilt die Ingenieurs-Weisheit Edward Murphys, dass schief gehen wird, was schief gehen kann. Und ich bin mir sicher, dass dies auch eine Angela Merkel seit Jahren weiß. Gerade für Staatenlenker wie sie heißt es jetzt, in der Stunde des Zusammenbruchs eines alten Systems, die Bemessungsgrundlagen der politischen Entscheidungen umzustellen – auf die Vernunft des Herzens. Das wäre gleichzeitig der Weg aus der Politikverdrossenheit. Jemandem „aus dem Herzen zu sprechen“ hat es nicht umsonst zur Redewendung vieler Völker geschafft.


10.02.2011 - Erinnerung an die Schöpferkraft
Vor Ort in Island: Wie die Künstler das Landes ihr krisengebeuteltes Volk in die Zuversicht führen wollen

Zweieinhalb Jahre nach dem Finanzcrash habe ich zum wiederholten Male eines der Epizentren des Bebens besucht: Island. Dort bin ich vier Tage lang der Frage nachgegangen, wie insbesondere die Künstler dieser Insel auf die Krise reagiert haben, welche Heilmittel sie anzubieten haben und wie sie die geschundenen Seelen ihrer Landsleute wieder aufbauen wollen.

Ich bin auf erstaunliche Menschen getroffen, auf Musiker, Regisseure, Designer, Bildhauer. So erlebte ich ein kleines Konzert in einem Plattenladen in Reykjavik mit. Der dort musizierende Obergode der heidnischen Gemeinde Islands, Hilmar Örn Hilmarsson (Foto links), gab mir zu Protokoll: „Ich habe Rey­kjavik in der Zeit vor der Krise kaum noch wiedererkannt. Die Stadt war an kol­lektivem Größenwahn erkrankt. Hier fuhren nur noch diese protzigen Gelände­wagen herum, und an ihren Lenkrädern saßen große Kinder in Dreiteilern.“ Die seien jetzt größtenteils wieder verschwunden, doch sehr viel hätte sich nicht verändert seit dem großen Schock im schwar­zen Oktober 2008. Noch immer kämpften Familien um ihr Über­leben, müssten – wie in Amerika – ihre Häuser und Woh­nungen verlassen, das Schulsystem würde herunterge­fahren, das Gesundheitssystem be­schnitten, zwei Gene­rationen müss­ten noch unter dem Sündenfall und den Konsequenzen der geplatzten Schul­denblasen leiden, die Krise sei defi­nitiv nicht vorbei. „Wir müssen unser Volk von Grund auf sanieren“, war sich Hilmarsson sicher. „Es braucht einen neuen Gesell­schaftsvertrag. Der muss sich an den alten isländischen Grund­werten wie Ehrlichkeit, Ritter­lichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz und Fair­play orientie­ren.“

Dies nur ein Eindruck vieler interessanter Begegnungen. Meine Reportage ist in dieser Woche im Hamburger Abendblatt veröffentlicht worden und unter diesem Link komplett nachzulesen.


04.02.2011 - Ägypten und die Angst
Warum die Krisenberichterstattung die Chancen des Umbruchs betonen muss

Die Machtverhältnisse in Ägypten kippen, einmal mehr entscheidet sich die Zukunft eines Landes auf der Straße. Millionen fordern ihr Menschenrecht auf Würde und Freiheit ein.

Aber es ist nicht nur die Stunde der Befreiung für die arabischen Völker. Es ist auch die Stunde, die das Ende der Heuchelei westlicher Staaten einläutet. Jahrzehnte lang haben die USA und viele europäische Staaten die despotischen Systeme mit Milliarden unterstützt und sich so mit schuldig gemacht. Ägypten sollte den christlichen Nationen Islam und Islamismus vom Halse und die Region ruhig halten. Die Angst davor war größer als das Einstehen für die Menschlichkeit – eigentlich Grundlage jeder westlichen Verfassung.

Nun wird seit einer Woche im deutschen Fernsehen fast jeden Abend darüber diskutiert, was wir zu erwarten haben, ob wir Angst haben müssen, ob wir Hoffnung haben dürfen, ob nach dem Umsturz die Richtigen ans Ruder kommen. Viele Debatten sind hoch egoman und widmen sich mehr den Konsequenzen für uns als denen der Menschen, die es vor Ort betrifft. Immer wieder werden Korrespondenten und Experten von den Moderatoren zu einer klaren Einschätzung genötigt: "Was ist denn nun?", "Was wird denn jetzt?". Ich bemerke, und das finde ich wunderbar, dass immer mehr Antwortgeber ehrlich und frei heraus erwidern: "Ich weiß es nicht!". Schüren wir also nicht weiter die Ängste mit übereilten, defätistischen und interessengeleiteten Behauptungen, sondern betonen wir die Chancen. Denn im Kern geht es hier um nichts anderes als Freiheit.


11.01.2011 - "Wir schalten jetzt live zur Frankfurter Börse..."
Balance verloren: Warum die neuen TV-Stars der Wirtschaftsnews wieder zurück in den Schatten gehören

Sie sind inzwischen fast genauso prominent wie einst ihre Expertenkollegen vor der Wetterkarte: die Börsenberichterstatter. Sie heißen Klaus-Rainer Jackisch, Ellen Frauenknecht, Michael Best oder Frank Bethmann. Die Liveschalte zu ihnen nach Frankfurt aufs Parkett, die aktuelle Einschätzung des DAX, dessen Verlauf im Hintergrund über die Wand mäandriert, der dazu geholte Analytikerfachmann, der den Fall des Euro noch haargenau einordnet. Dies alles ist inzwischen tägliche Normalität im deutschen Fernsehen. Kachelmann war gestern, es lebe der Börsenheini!

Die neuen Stars im tristen Zwirn werden von ihren Arbeitgebern gebettet in ein entsprechendes Umfeld. Die Wirtschaftsberichterstattung hat die Nachrichten voll im Griff. Gerade jetzt – zu Beginn des neuen Jahres – habe ich das Gefühl, dass die Nachrichtensendungen der Öffentlich-Rechtlichen zu Wirtschaftsmagazinen mutiert sind. Ich erinnere mich an eine Ausgabe der Tagesthemen, in der drei längere Beiträge über Börse, Währung, Ökonomie hintereinander getaktet wurden. Einseitigkeiten, die normalerweise in Redaktionskonferenzen verhindert werden sollten. Ja, die Wirtschaft ist ein Teilbereich unseres Alltags, aber hier geht eine Themenbalance verloren, die gerade in Zeiten wackelnder Systeme dringend notwendig ist.

Die Konsequenzen beim Publikum sollten klar sein: Das Leben wird ökonomisiert, die Gedanken drehen sich nur noch ums Geld, um Aktien, um die Rettung des Ersparten. Dies wiederum führt zu zwei Reaktionen: im Falle schlechter News ("Inflation! Währungscrash!") zu Ängsten und Panik, im Falle guter News ("Wachstum! Aufschwung!) zum Fehlglauben, dass es uns und der Welt endlich besser gehen würde. Alleiniger Gradmesser für unseren gesellschaftlichen Gesundheitszustand scheinen die Trends aus der Wirtschaft zu sein. Wie furchtbar.

Als 2008 und 2009 die Weltwirtschaftskrise unsere Nachrichten noch viel extremer beherrschte, schlug jemand vor, zumindest auf die tägliche Live-Berichterstattung von der Börse zu verzichten, auf die Verkündung und Interpretation von Aufs und Abs aller möglichen Kurse. Ich halte das weiterhin für eine Idee, die man zumindest ausprobieren könnte. Keine routinierten Aufsager mehr von Ellen Frauenknecht, keine täglichen Analysen mehr von Klaus-Rainer Jackisch. Ab mit ihnen in den Schatten. Ich bin mir sicher: Kaum ein Zuschauer würde sie vermissen.


07.01.2011 - "Sperrt die Staatenvertreter in die Sixtinische Kapelle!"
Das ZDF würdigte den Visionär und Solarstrom-Revoluzzer Dr. Gerhard Knies

Gestern lief im ZDF – leider viel zu spät, nämlich nach Null Uhr – die Dokumentation "Operation Wüstenstrom – Desertec und das Milliardengeschäft mit der Sonne". Ein gutes und hoffnungsvolles Stück Fernsehen, das man sich immerhin nachträglich in der Mediathek des Senders anschauen kann und sollte.

Der halbstündige Beitrag erklärt das gewaltige Solarstromprojekt Desertec: Energie soll in der Sahara durch riesige Solarthermie-Anlagen gewonnen und nach Nordafrika und Europa geleitet werden. Die ersten Schritte sind längst gemacht. Verlieren Wirtschaft und Politik nicht den Mut, könnte Desertec tatsächlich das Energiekonzept von Morgen sein. Eine kleine Rechnung veranschaulicht Sinn und Tragweite der Anstrengungen: In sechs Stunden empfangen die Wüsten der Erde soviel Energie von der Sonne, wie die Menschheit in einem Jahr verbraucht. Dies ist einer der Lieblingssätze des Hamburger Physikers Dr. Gerhard Knies, Urheber der ganzen Initiative.

Vor ein paar Wochen führte ich ein Interview mit ihm. Ich halte Knies mit dem, was er da als Einzelperson ins Rollen gebracht hat, für einen der zurzeit größten deutschen Visionäre. Meine letzte Frage an ihn war, wo er in Anbetracht der globalen Krisenlage nun die Verpflichtungen der Politik sehen würde. Seine Antwort, verärgert und pointiert:

"Die müsste die katastrophalen Klimakonferenzen ersetzen durch Lösungs­konferenzen. Es sitzen die völlig falschen Leute darin. Den nationalen Staatenvertretern geht es um eigene Erfolge. Jahrzehnte glaubten wir, dass die Raffgier aller die Märkte regelt. Man sollte die Klimakonferenzen in die Sixtinische Kapelle verlegen und die Herrschaften erst dann rauslassen, wenn weißer Rauch aus dem Schornstein kommt. Ihr einziger Schlüssel wäre eine Lösung."


06.01.2011 - Als die Vögel vom Himmel fielen
Merkwürdiges Phänomen, merkwürdiger Journalismus: Warum werden Fragen ausgelassen, die sich förmlich aufdrängen?

Blicke ich auf die Nachrichtenlage in der ersten Woche des neuen Jahres, fällt mein Blick neugierig wie besorgt auf ein Thema, das es zumindest bis heute nicht in die deutschen Hauptnachrichten geschafft hat, wohl aber auf die Internetseiten von Spiegel, Süddeutscher Zeitung oder auch der Tagesschau: das merkwürdige massenhafte Vogelsterben in den USA und – wie man seit gestern weiß – auch in Europa.

Verzweifelt wird mit den ersten Ereignissen in der Neujahrsnacht nach der Ursache geforscht: Wie konnten Tausende Vögel vom Himmel fallen? Natürlich werden da einige naheliegende Szenarien durchgespielt wie Feuerwerkskörper, Schlechtwetterfronten oder Stromleitungen. Diese Begründungen scheiden allerdings inzwischen aus, und ich wundere mich über die Einseitigkeit der Berichterstattung. Warum wird nicht längst – selbst von Wissenschaftsjournalisten – eine andere Möglichkeit in Betracht gezogen? Nämlich die veränderter elektromagnetischer Felder.

Wie ich sowohl einst an der Uni im Fach Geographie wie auch jetzt noch einmal durch die Recherchen zu meinem Visionärsbuch lernen konnte, wird das Leben auf unserem Planeten neben vieler anderer Faktoren in nicht unwesentlichem Maße auch von elektromagnetischen Feldern konstituiert. Nur ein kleines Beispiel dafür: Versuche der NASA haben schon Mitte bis Ende der 60er Jahre Aufschluss darüber gegeben, wie sehr wir Menschen auf das Magnetfeld der Erde "gepolt" sind, in welcher Abhängigkeit wir von ihm stehen: Nimmt man eine Person experimentell aus ihrem natürlichen Feld heraus – das geschieht bei einem bemannten All-Flug automatisch – geraten grundlegende Körperfunktionen außer Kontrolle, verliert sie beispielsweise jedes Gefühl von Zeit. Die Forscher wussten damals, dass sie dies bei der Konstruktion ihrer Raumschiffe beachten mussten. Quintessenz übrigens auch vieler anderer internationaler Studien und Versuche: Körper und Psyche des Menschen reagieren in teilweise extremem Maße auf sich verändernde elektromagnetische Felder. Und diese Felder verändern sich – das kann man auf offiziellen Seiten der NASA täglich verfolgen – kontinuierlich. Und zwar nicht überall gleichmäßig, sondern punktuell. Fast überflüssig zu betonen, dass diese kontinuierlichen Veränderungen des Erdmagnetfeldes auf kosmische Strahlungen – auch aus der Sonne – zurückzuführen sind.

Nebenbei bemerkt: Längst wurden weltweit technische Apparaturen entwickelt, fast könnte man sie auch "Waffen" nennen, die ebenso in der Lage sind, die natürlichen elektromagnetischen Felder gezielt zu verändern.

Wie nun seit ein paar Jahren bekannt ist, orientieren sich gerade Vögel über das Magnetfeld der Erde. Darüber berichteten 2006 der Stern, 2007 der Spiegel sowie namhafte Wissenschaftsjournale. Dort war beispielsweise zu erfahren, dass Tauben durch Eisenoxidmoleküle im Schnabel, die sich nach dem Erdmagnetfeld ausrichten, ihren Weg finden. Was könnte also passieren, würde dieser elementare Sinn – möglicherweise durch ein Schockerlebnis – gestört? Und weitergedacht: Wäre dies der Grund für das tierische Massensterben, wie gefährdet wären wir Menschen zurzeit?

Ich will mit alldem nicht behaupten, dass die Vogelschwärme zwingend durch außergewöhnliche elektromagnetische Phänomene den Tod fanden – dafür fehlen mir bisher die aktuellen Hintergrundinformationen. Aber sollte man dies als Berichterstatter nicht zumindest mal in Betracht ziehen? Sollte man als Reporter diese Fragen, die sich ja förmlich aufdrängen, nicht mal den Experten stellen, die sich seit Tagen vor den Mikrophonen äußern? Fehlt da das Wissen, der Wille, die Fantasie, die Kombinationsgabe? Leider wieder mal ein Beispiel für einen Journalismus, der viel zu wenig insistiert und viel zu selten Fragen stellt, die weiter gehen als die bereits gestellten. Ich bin sehr gespannt, ob wir noch zufrieden stellende Erklärungen geliefert bekommen.


02.01.2011 - Dem Himmel so nah in der Antarktis
Prosit 2011 – Mit Werner Herzog ins neue Jahr

Die erste Fernsehsendung oder – viel eher – das erste Kunstprodukt in 2011 war Werner Herzogs Dokumentarfilm „Begegnungen am Ende der Welt“, den der WDR gestern ausstrahlte. War es Zufall, dass ich vor allem anderen gerade dort hinein geriet? Ich deute es mal nicht als solchen und nehme die Gedanken mit ins neue Jahr, die Herzog und die Forscher, die er begleitete und interviewte, äußerten.

Am Ende der Welt. Das ist in diesem Falle die Antarktis. Dort traf Werner Herzog in erster Linie auf Wissenschaftler, auf nach Einzellern tauchende Biologen, auf subatomare Neutrinos jagende Physiker, auf Ozeanologen und Glaziologen, sogar auf Linguisten oder einen Mann, der nichts anderes tut, als sein Leben lang Pinguine zu beobachten.

Beeindruckend an diesem Film waren weder das putzige Federvieh, noch die weißweißen Landschaften, die die Sender sonst allzu gerne als Panoramatapeten zum Wegträumen verwenden. Beeindruckend war das Bewusstsein, in dem die Forscher – und auch Regisseur Herzog – ihre Arbeit und ihren Alltag an der südlichen Polarregion beschrieben, einem Ort, an dem die Störfeuer der Zivilisation gegen Null streben. Die Protagonisten vermittelten eine tiefe Einsicht darüber, dass sich der Mensch im Zuge der Erforschung von Mikro- und Makrokosmos zwangsläufig einer unbeschreiblichen Kraft nähert, die viele von uns Gott nennen. Zumindest aber führt dieser Weg zu vielen Fragezeichen.

Tun wir also nicht so, als würden wir bereits alles kennen! Das antarktische Territorium erschien mir bei Herzog als ein Gebiet der Erkenntnis über das eigene Unwissen, ein Gebiet der Erkenntnis, welches selbst gestandene Naturwissenschaftler zu demütigen und spirituellen Menschen werden lässt und das möglicherweise in der Lage ist, die einst auseinander gerissenen Teile des Lebens, das Sichtbare und das Unsichtbare, das Materielle und das Geistige, wieder miteinander zu verbinden.

Dies könnte die Funktion von Werner Herzogs Film sein. Er unterstützt das, was ich mich auch in meinem Visionärsbuch bemühte zu vermitteln: den Blick auf die Ganzheitlichkeit unserer Existenz zu richten, neue Fragen zu wagen, andere Wege zu gehen und daraus Lehren zu ziehen für die Rettung unseres Planeten.

Dies wäre auch einer meiner Wünsche fürs neue Jahr. Finden wir den Mut, unser bruchstückhaftes Bild der Welt zu erweitern, Abschied zu nehmen von alten Denkmustern, Vorurteilen, Bequemlichkeiten, vom zerstörerisch-egogetriebenen Wachstumsglauben, und einzutreten für ein Leben in Freiheit, Aufgeklärtheit und Nächstenliebe.

Allen Lesern dieses Blogs ein glückliches 2011 voller Zuversicht!


17.12.2010 - Ein Weihnachtsplädoyer für mehr Herz!
Warum Friedrich Schiller heute noch so aktuell ist wie vor über 200 Jahren

In einer ätzenden Woche, in der sich ein Willkürsherrscher wie Silvio Berlusconi einmal mehr im Amt halten kann, sich Politiker im ukrainischen Parlament die Fresse polieren und ein Aufklärer wie Julian Assange mit elektronischen Fußfesseln herumlaufen muss, fällt mir Friedrich Schiller ein. 1793 verfasste er seine Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen. Darin kommt er zu der offensichtlich immer noch geltenden Analyse:

„Das Zeitalter ist aufgeklärt, das heißt, die Kenntnisse sind gefunden und öffentlich preisgegeben, welche hinreichen würden, wenigstens unsere praktischen Grundsätze zu berichtigen. Woran liegt es, dass wir immer noch Barbaren sind?“ Wenig später kommt er zur Antwort: „Der Weg zum Kopf muss durch das Herz geöffnet werden.“ Was heißt das?

Dass die Freiheit, die wir glauben zu leben und zu genießen, eben solange keine Freiheit ist, solange wir unseren Entscheidungen und Wertmaßstäben nur die kühle Ratio, die schnöde Vernunft zugrunde legen und die aufrichtige und klare Kraft der Liebe nicht entfesseln und wieder mit in unseren Alltag – und selbstverständlich auch in Politik und Wirtschaft – einbeziehen. Solange wir also unterdrücken, bleiben wir Unterdrückte.

Das sagte und meinte Schiller vor 217 Jahren. Keine Revolutionen, nicht die Stürze totalitärer Systeme, nicht die Einsichten über den radikalen Raubbau an Mensch und Natur waren seitdem in der Lage, unsere Denkwege endlich übers Herz laufen zu lassen. Stattdessen wurde das kommerzielle Kalkül weiter professionalisiert, stattdessen stecken wir immer tiefer in einer Materialismusspirale, die durch Kirche und konservative Naturwissenschaft vor vielen Jahrhunderten ihren Anfang nahm.

Gegen diese lange Tradition ist schwer anzukommen. Doch parallel zum ungebrochenen Wachstumsglauben wächst die Gruppe derer, die wieder das Herz und den Geist ins Zentrum ihres Handelns stellen. Immer mehr Menschen wenden sich angewidert von ihrem alten Leben ab, gehen mutig und beharrlich neue Wege und erinnern sich an die Grundwerte, die letztlich unser Überleben sichern und das unserer Kinder. Dies sind die Erben Friedrich Schillers, dies sind die wahren Visionäre unserer Zeit.

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs eine entschleunigte und besinnliche Weihnachtszeit!


13.12.2010 - Julian Assange spritzte Kontrastflüssigkeit in unsere Systeme
Alles wird sichtbar! Warum Wikileaks ein elementares Ereignis der Aufklärung ist

Ein interessantes Bild ergab sich gerade in einer Diskussion mit Freunden über Wikileaks. Da meinte jemand, dass Julian Assange Kontrastflüssigkeit in die Adern von Politik und Wirtschaft gespritzt hätte. Ich finde diese Formulierung ganz fabelhaft. Denn das, was sich nun zeigt – und zwar allen zeigt – sind die bisher unsichtbaren Krebsgeschwüre, ist die innere Verrottung, deren Fäulnis wir seit Jahren – je nachdem wie der Wind stand – in die Nase gekriegt haben. Und dennoch lebten wir weiter, als wäre nichts.

Diejenigen, die vor der Quelle dieses Gestanks, also vor den Machenschaften der politischen und ökonomischen Spieler warnten und von Spielregeln zu berichten wussten, die auf das Wachstum der einen und die Ausbeutung der anderen programmiert sind, wurden noch vor wenigen Jahren als Defätisten, Spinner und Verschwörungstheoretiker verspottet. Nun hat sich eben jenes Kontrastmittel namens Wikileaks gefunden. Und die schlimmsten Befürchtungen sind plötzlich unanfechtbare Realität. Kaum eine Instanz, die nicht korrupt und verbrecherisch handelt. Wer seinen Glauben an die uneingeschränkte Aufrichtigkeit von Staatsmännern und Firmenlenkern bis hierhin nicht verloren hat, der ist ihn jetzt los.

Insofern sind die von Julian Assange und Wikileaks initiierten Enthüllungen keine von anarchischen Hackern verbrochene Banalität. Sie sind das totale Gegenteil. Die Aktivitäten von Wikileaks – das hätte nach den ersten zaghaften Veröffentlichungen niemand vermutet – haben inzwischen historische Bedeutung. Sie sind ein elementares Ereignis der Aufklärung, die mit anderen Geschehnissen wie beispielsweise dem Buchdruck in eine Reihe zu setzen sind. Und sie könnten der von vielen lang ersehnte entscheidende Impuls sein, der in der Lage ist, die kranken Systeme zum Einsturz zu bringen und den Weg frei zu machen für eine neue Politik der Anständigen.


08.12.2010 - Altes Denken, medialer Zynismus: Stuckrad-Barre kriegt sein Ego nicht klein
In GQ keilt der talkende Autor gegen das Öko-Engagement des Schauspielers Hannes Jaenicke

Zugegeben, der Relaunch der Zeitschrift GQ ist gelungen, und irgendwie erinnert das Blatt an die verblichene Vanity Fair. Dennoch habe ich mich fürchterlich aufgeregt, als ich vor ein paar Tagen das Dezember-Heft las. Dabei ging es weniger ums Gesamtprodukt als vielmehr um einen Artikel des Kollegen David Baum. Auch Baum kann für meinen Zorn nichts, sondern der in seinem Text Portraitierte und dessen Anmaßungen: Benjamin von Stuckrad-Barre.

Baum hatte mit Stuckrad einen Abend lang fern gesehen und nachher darüber geschrieben. Eine beliebte Darstellungsform, wenn gewisse Gestalten die Medienlandschaft durch die Mangel drehen sollen. Was also ist Stuckrads Meinung über die Damen und Herren, die nun seine Kollegen sind – denn der bisherige Autor darf ja auf ZDFneo einen Latenight-Talk moderieren.

Ich will keine Textkritik betreiben, sondern nur auf ein Zitat von Stuckrad-Barre eingehen, das zeigt, wo in der deutschen Medienkultur ein zentrales Problem liegt. David Baum zappt also mit Stuckrad durch die Kanäle, sie bleiben bei "Hart aber fair" hängen. In Plasbergs Runde sitzt auch der Schauspieler Hannes Jaenicke. Stuckrad kommentiert das, indem er, laut Baum, sagt: "Aus dem strotzt das ganze Fernsehelend. Hörbücher für ,Brigitte' aufnehmen, einen Film über geschändete Affen drehen – und dann in einer Talkshow sagen, dass sich die Politik sehr vom Bürger entfernt hat. Was für ein trauriger Typ."

Dieser Satz macht mich immer noch wütend. Was maßt sich Stuckrad-Barre da an? Er richtet über einen Mann, den er höchstwahrscheinlich überhaupt nicht kennt und urteilt über dessen ökologisches Engagement, das er höchstwahrscheinlich nicht verstanden hat.

Ich habe mit Hannes Jaenicke vor einer Woche länger gesprochen, über seine Dokumentationen zur Bedrohung der Haie, der Gorillas, der Orang Utans, der Delphine oder der Eisbären, über seinen Einsatz für die Rettung der Erde, über das Erwachen seines nachhaltigen Bewusstseins. Er sagte mir: "Es ist eine krasse Fehleinschätzung, dass wir einsame und wirkungslose Kämpfer auf weiter Flur seien. Ganze Bevölkerungsschichten erheben sich gerade." Und dann verwies Jaenicke, Greenpeace-Mitglied seit Jahrzehnten, auf die Demos in Stuttgart und Gorleben. In diesem Sinne engagiert sich auch Jaenicke. Er übernimmt Verantwortung! Und ich nehme ihm sein Engagement ab. Es ist so hingebungsvoll, so mit Wissen unterfüttert, dass nur hämisch-zynische Typen wie Stuckrad dies als PR-Luftnummer oder was auch immer fehldeuten können. Was ist an Jaenicke "traurig", wo "strotzt" aus ihm das "Fernsehelend"? Nirgendwo. Das Gegenteil ist der Fall. Aus Jaenicke strotzt die Hoffnung, dass noch etwas zu ändern ist an der Situation des Planeten, dass jeder einzelne seinen Teil an der Verbesserung der Zustände beitragen kann. Mit seinen Dokus und Talkshowauftritten erreicht Jaenicke Millionen. Wenn daraufhin auch nur ein paar Hundert Menschen ihr Leben bewusster und nachhaltiger bestreiten, haben er und wir schon gewonnen.

Was tut währenddessen ein Mann wie Stuckrad? Er treibt seine selbstverliebten und selbstgerechten End-90er-Jahre-Spielchen weiter. Nichts ist so überholt wie eine solche Art. Es ist genau diese Überheblichkeit vieler vermeintlich gescheiter Medieninstanzen, die eine breite und wirksame Debatte über bürgerliches Engagement in Krisenzeiten und Lösungsansätze für die aktuell so drängenden Probleme torpedieren. Es ist Stuckrad zu wünschen, dass auch er irgendwann seiner Verantwortung gerecht wird und in seiner neuen Show Impulse gibt, die mehr sind als Signale eines verzweifelt um Anerkennung dürstenden Egos.


02.12.2010 - "Du sollst nicht töten" heißt "Du sollst nicht töten"
Eine ARD-Doku zeigte, wie sich Geistliche im Dienste der Bundeswehr das Fünfte Gebot zurechtbiegen

Der Filmemacher Tilman Jens bürgt für Qualität. So auch gestern nacht, halb zwölf im Ersten. „Töten für den Frieden – Die Politik, die Kirche und der Krieg“ nannte er seine denkwürdige Dokumentation. Im Zentrum standen der deutsche Afghanistan-Einsatz und die Frage, wie es bei uns eigentlich um das Fünfte Gebot bestellt ist.

Am plausibelsten erschien mir die Argumentation von Bischof Wolfgang Huber, der keinen Interpretationsspielraum gelten lassen wollte. „Du sollst nicht töten“ heißt „Du sollst nicht töten“. Andere, wie ein Geistlicher der Bundeswehr, deuteten das Gebot anders. Er textete es um zu „Du sollst nicht morden“. Töten also ja, morden eher nein. Kriegsopfer in Afghanistan wären danach in Kauf zu nehmen, die Verbrechen von Raubmördern auf irgendeinem deutschen Bahnsteig nicht.

Doch was, wenn niedere Beweggründe auch Grundlage eines Bundeswehreinsatzes sind? Sprachen Horst Köhler und zuletzt auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nicht von der Sicherung von Handelswegen durch das Mittel des Krieges? Wo läge –philosophisch gesehen – der Unterschied zwischen den Rohstoffen und den Portemonnaies anderer?


30.11.2010 - Wikileaks und die Frage nach dem "Warum jetzt?"
Die Enthüllungen sind Zeichen seismischer Vorgänge unterhalb der sozialen Krusten

Wikileaks hält die Welt in Atem. Enthüllungen über die internen Vorgänge der Mächtigen dieser Erde verströmen Faszination wie Schauder – und fabrizieren ungeahnten Ärger. Der Verrat von Geheimnissen gibt zurzeit das Futter für Schlagzeilen, reißt Regierungen und Führungsriegen die Masken von den Gesichtern und setzt sie unter Rechtfertigungsdruck. Die wichtigste Frage, die man sich bei alldem stellen muss, ist nicht die nach dem Pro & Contra, also nach dem Darf-man-das. Nein, die wichtigste Frage lautet: Warum gerade jetzt?

Zeitlicher Zufall sind die Vorgänge sicher nicht. Sie sind vielmehr Zeichen seismischer Vorgänge unterhalb der sozialen Krusten. Immer häufiger und immer schneller scheinen sich Bruchstellen aufzutun, eruptionsgleich brechen sich Kräfte Bahn, die man nicht mehr für möglich gehalten hatte. So sind die Aktivitäten von Wikileaks ein Symbol der Instabilität herrschender Systeme. Genau wie die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 und die Erstürmung britischer Parteizentralen durch aufgebrachte Studenten. Der Druck von unten ist so groß geworden, dass die politischen und ökonomischen (Betäubungs-)Strategien nicht mehr ausreichen.

Dies alles zeichnet ein Bild einer Wendezeit. Wir nähern uns einem Scheitelpunkt, an dem die unanständigen Wachstumsprinzipien, die uns in die globale Krise brachten, abgelöst werden könnten von den anständigen Prinzipien einer nie erstickbaren Menschlichkeit. In diesem Sinne wird ein Internet-Forum wie Wikileaks sicher nicht das Ende einer globalen Entwicklung sein, die auf ihrem Höhepunkt zu noch gewaltigeren Umbrüchen fähig ist.


24.11.2010 - Im Brachialton gegen die Homöopathie
Merkwürdiger Spiegel-Artikel: Zwei Autoren dürfen sich über die alternative Heilmethode echauffieren

Wer im aktuellen Spiegel die Seite 144 aufblättert, kann auf einen Skandal stoßen. Unter der bereits schon tendenziösen Überschrift „Rückfall ins Mittelalter“ scheinen die Redakteure Markus Grill und Veronika Hackenbroch einen Feldzug gegen Vertreter der Homöopathie zu betreiben. Dieser zweiseitige Artikel – er ist nirgendwo als subjektive Darstellungsform (wie Kommentar oder Reportage) gekennzeichnet – überrascht, mehr noch, er verschreckt. Denn in seiner Einseitigkeit ist er des Spiegels nicht würdig. Klar lässt er die Absicht der Autoren erkennen: die Homöopathie in die Defensive zu drängen, ihr jede Wirkung abzusprechen und ihre mitunter prominenten Befürworter der Lächerlichkeit preiszugeben.

Direkt nach der ärgerlichen Überschrift geht es im Vorspann weiter: „Die Homöopathie breitet sich an deutschen Universitäten aus. Ausgerechnet Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe macht sich jetzt für die skurrile Heilslehre stark“. Muss man noch näher darauf eingehen, dass Begrifflichkeiten wie „breitet sich aus“ und „skurrile Heilslehre“ mit objektivem Journalismus nichts zu tun haben? Im Text selbst geht der Brachialton, der jedem Volontär verboten wird, schonungslos weiter: von „unsinnigen Reformen“, die die Homöopathie im Ausbildungsalltag verankern sollen, ist die Rede, sogar von „Humbug“. Das sind Worte, die man normalerweise von radikalen Homöopathiehassern erwartet.

Extrem übermütig wird das Autorenduo auf der zweiten Seite des Artikels. Dort steht: „Wo aufgeklärtes Denken wie in Deutschland fehlt, haben Lobbyvereine wie die Carstens-Stiftung leichtes Spiel. Sie fördert die Homöopathie an deutschen Universitäten...“ Und am Ende wird die bereits in der Überschrift erwähnte Mittelalter-Terminologie aufgegriffen, Vertreter der Homöopathie werden sogar ins Fahrwasser der Esoterik gebracht.

Doch kurz zurück: Haben wir richtig gelesen? Wird da der Vorwurf des Homoöpathie-Lobbyismus ausgesprochen? Schier unglaublich, wo doch die den Doktrinen der Schulmedizin gehorchenden Pharmakartelle Lobbyismus in Feinstform praktizieren. Dagegen hat Autor Grill sogar angeschrieben, mitunter in Büchern. Er hat auch Journalistenpreise gewonnen. Unter anderem den „Journalistenpreis des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin“. Das ist interessant. Denn zu den Fördermitgliedern dieses ausschließlich auf die Empirie beharrenden Netzwerks gehören Pharmakonzerne wie Sanofi Aventis oder Pfizer...

Ich will hier kein weiteres Plädoyer eröffnen für oder gegen die Homöopathie, sondern dafür sensibilisieren, dass auch angesehene Medien kampagnenartige Berichterstattung fahren, die eine Medizin, die sich endlich öffnet und mehrere Disziplinen in ihren Heilungskanon integriert, in ihrer Entwicklung zu behindern vermag. Dabei müsste doch inzwischen klar sein, dass wir nur gemeinsam vorankommen und nicht durch einen medizinischen Frontenkrieg.


19.11.2010 - Mann-Frau-Klischees sind überholt - Wer hätte das gedacht?!
Eine ärgerliche 3sat-Reihe zeugt von grundlegenden medialen Missverständnissen

Heute früh: die Moderatoren Sarah Kuttner und Markus Kavka zu Gast im Morgenmagazin des ZDF. Warum? Sie gehen am 25. November mit einer neuen 3sat-Reihe an den Start: „Frau Kuttner & Herr Kavka“ heißt die, und sie beschäftigt sich mit – und jetzt wird’s richtig ärgerlich – dem Testen von Geschlechterklischees.

Auch wenn die Sendung – das soll wohl das Besondere sein – auf Selbstversuchen der beiden Protagonisten beruht, so käut sie doch einmal mehr ein Thema wider, das so alt ist wie die Story von Adam und Eva. Welche Notwendigkeit gibt es, sich im Jahre 2010 noch mit Rollenstereotypen von Mann und Frau zu beschäftigen? Ich dachte, mit dem Bestseller „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ und dem Mario-Barth-Mysterium sei der Zenit dieses Sujets erreicht. Aber nein, anscheinend stimmt das nicht, es geht weiter, nun aufbereitet als Intellektuellenversion bei 3sat.

„Es hat sich ganz oft herausgestellt, dass all diese Klischees gerade für die heutige Zeit im Grunde nicht nötig sind“, erleuchtet uns Sarah Kuttner dann auch auf dem Sofa des Morgenmagazins. Das hätten wir wirklich nicht vermutet. Dazu brauchte es eine vierteilige Dokureihe. So etwas mag rund 100000 Euro kosten.

Es sind weniger die Gebühren, die zu beklagen sind. Dieses Projekt ist für mich ein Paradebeispiel für mediale Missverständnisse im Jahr 2010: Anstatt Neues zu wagen und das Publikum herauszufordern, werden lieber die alten Themen in die Rotation geschickt. Die ewige Debatte über Geschlechterklischees kommt direkt hinter der alljährlichen Berichterstattung über die Zeckengefahr. Nein, gerade jetzt, in einer Zeit des Umbruchs, in der die Menschen von immer mehr und immer mehr neuen Fragen eingeholt werden, muss jede einzelne Redaktion die Sinnhaftigkeit ihrer Themen hinterfragen – und im Zweifel gegen die Vertreter des Mainstreams aufbegehren.


18.11.2010 - Mediale Verpflichtung zur Besonnenheit
Terrorwarnung: Warum man die Chefredakteure im Kanzleramt antreten lassen sollte

Terrorwarnung für Deutschland. Überraschend konkrete Aussagen des Innenministers vor den Mikrophonen der Sender. Wachsende Angst in der Bevölkerung. Gegen die Offenheit von Thomas de Maizière ist erst einmal nichts zu sagen. Es ist weniger die Politik, die nun aufpassen muss, was sie im Sichtbaren tut. In Momenten wie diesen sind es viel mehr die Medien, denen eine übergroße Verantwortung zukommt. Zu verlockend ist der Reiz, mit aggressiven Headlines und Angst schürenden Sondersendungen Auflagen und Quoten in die Höhe zu treiben. Einen „politisch-publizistischen Verstärkerkreislauf“ nennt Heribert Prantl (SZ) den Mechanismus, der jetzt um jeden Preis verhindert werden muss. Denn die allzu leicht entfachbare mediale Hysterie ist Teil aller Terrorpläne.

Eigentlich gehörten noch heute alle maßgeblichen Chefredakteure dringend ins Kanzleramt eingeladen. Nicht, um um Verheimlichung wichtiger Informationen zu bitten, sondern um ganz offiziell um Besonnenheit zu werben.


16.11.2010 - Gehen Sie mit Ahmadinedschad essen, Frau Merkel!
Warum politische Feindesliebe keine Utopie sein muss

Eine kleine dpa-Meldung in diversen Tageszeitungen und Online-Medien fiel mir heute auf: Die NATO habe beim Gipfeltreffen in Lissabon in Bezug auf ihre geplante Raketenabwehr den Iran nicht als Bedrohung bezeichnet! Klingt erstmal unspektakulär bis langweilig. Doch in dieser routiniert formulierten Nachricht steckt ein wichtiger Funke eines neuen Bewusstseins.

Schlimm genug, dass die Rüstungsindustrie weiter brummt, dass Raketenschilder überhaupt gebaut werden und dass Atomwaffen immer noch Schrecken verbreiten. In diesem alten Albtraum allerdings zu verlautbaren, dass der Iran eben keine Bedrohung darstellt, hat Applaus verdient. Denn nur so geht es!

Die Abteilung Attacke, für die beispielsweise George W. Bush gestanden hat, gehört endgültig aufgelöst und umgewidmet in ein Kommando der Nächstenliebe. Hass und Antipathie zu kultivieren, Feindbilder aufrechtzuerhalten und neue Grenzen aufzubauen, dies alles ist Teil einer gestrigen Politik, an deren Stelle das beharrliche Aufeinanderzugehen treten muss. Keilt Ahmadinedschad ein hundertstes Mal gegen Israel, droht Nordkorea noch einmal seinen Nachbarländern, giften Regierungen und Oppositionen wieder und wieder gegeneinander: Die Antwort muss immer ein Lächeln sein, eine Umarmung, eine Einladung, ein Angebot! Ich bin fest davon überzeugt, dass durch unnachgiebiges Aussenden liebevoller Signale, jeder vermeintliche Gegner zu entwaffnen ist.

„Liebet eure Feinde, segnet, die euch verfluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen“, so zitiert der Evangelist Matthäus Jesus Christus. Dieses Prinzip der Feindesliebe ist universell. Es kommt in allen religiösen Manifesten dieser Erde vor – von den uralten Veden der Inder bis hin zu Formulierungen im Koran.

Man stelle sich für einen kurzen Moment vor, das Gebot der Feindesliebe würde plötzlich in radikaler Konsequenz als geistige Prämisse ins Handeln globaler Hierarchen integriert: Die gesamte Weltpolitik, die gesamte Bundespolitik sähe anders aus! Allen Agitatoren würde jeder Angriffspunkt entzogen. Eine Art Liebesschock machte jede böswillige Strategie zunichte.

Eine solche Vision einmal durchzudenken oder zumindest ansatzweise in der Praxis auszuprobieren, ist weder naiv noch utopisch. Eine solche Vision ist modern und letztlich der einzige Weg. Es bräuchte nur Wille und Mut. Es ist ein Weg, der jeden Tag von jedermann ausprobiert werden kann. Besuchen Sie Teheran, Frau Merkel! Reden Sie mit den Taliban, Herr zu Guttenberg! Laden Sie Ihren ehemaligen Chef ein, Herr Offer! Schenken wir alle morgen denen einmal Aufmerksamkeit, die wir bisher für Idioten oder Unmenschen gehalten haben! Wir werden ungeahnte Reaktionen erhalten, garantiert.


08.11.2010 - Verkehrte Welt bei Anne Will
In der ARD wurden die aktuellen Proteste als fortschrittsfeindliche Anti-Stimmung diffamiert

In welchem Film bin ich denn gelandet? Da zappe ich gestern abend zum Polit-Talk von Anne Will und traue meinen Ohren nicht. Nicht, weil zum Großteil wieder altbekannte Gestalten im Halbrund sitzen. Sondern weil Anne Will anlässlich der wachsenden Bürgerproteste gegen Stuttgart 21, Gorleben oder die Flugrouten für den neuen Berliner Airport Fragen diskutieren lässt, die lauten: "Sind die Deutschen gegen alles?" oder "Sind die Deutschen fortschrittsfeindlich?" Das ist doch unglaublich.

Mit Klaus Staeck und Hans-Christian Ströbele hatten die Protestierenden zwar ihre Fürsprecher, aber die beiden haben kaum formuliert, was zu sagen gewesen wäre bei Anne Will: Nach Dekaden des arroganten Durchregierens und des tumb-tauben Erduldens sind die aktuellen Großdemonstrationen mehr als verständlich, sie waren längst überfällig, sie sind sogar notwendig. Und sie haben nichts, aber auch gar nichts mit Fortschrittsfeindlichkeit, Innovationsangst, willkürlichem Aufbegehren oder einem nostalgischen "Früher war alles besser" zu tun. Das Gegenteil ist doch der Fall: Die Menschen sind für Fortschritt, aber eben für nachhaltigen und verantwortungsvollen. Angst haben sie vor rückwärts gewandten Technologien und Megaprojekten, die ausschließlich dem Geldmonopol in die Karten spielen und in ihren Konsequenzen unberechenbar sind. Es scheint ein gesellschaftlicher Kipp-Punkt erreicht, der sich endlich in Protest äußert. Dieses völlig legitime und von vielen lange ersehnte Aufbegehren den Leuten negativ auszulegen, ist infam.

Der mit im ARD-Talk sitzende Ökokrimi-Autor Frank Schätzing ist alles andere als visionär, wenn er in dem Diskussionszusammenhang den Deutschen mehrfach eine "diffuse Zukunftsangst" unterstellt. Die Deutschen haben Angst, ja, große Angst sogar (siehe Blogeintrag vom 10.9.2010), aber die, die jetzt auf die Straße gehen, repräsentieren das Gegenteil von Angst. Sie sind diejenigen, die sich aus ihrer Angst erhoben haben. Sie sind die Mutigen!


26.10.2010 - Schockieren und aufklären!
Warum ambitionierte Schwerpunktwochen bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr ausreichen

Man könnte meinen, ja, das ist der erfüllte Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen! Eine Woche lang Schwerpunktthema „Essen ist Leben“ im Ersten. Reportagen, Berichte und Diskussionen über unsere Verfettung, über die Tricks der Lebensmittelindustrie, über die wirtschaftliche Kolonialisierung der Entwicklungsländer, über die eine Milliarde, die jeden Tag Hunger leidet. In der Tat, die Programmplaner und Journalisten zeigen gerade mit voller Wucht, was sie können. Und das verdient Lob, Anerkennung, Preise vielleicht. 

Jetzt kommt das Aber. So sehr diese Themenwoche zeigt, dass die globale Krise keineswegs im Griff ist, sondern weiterhin täglich Opfer fordert, so eindeutig kann man es eben nicht bei diesen Themenwochen belassen. Und es reichen auch die Politmagazine und die an der Oberfläche kratzenden Nachrichtensendungen nicht mehr.

In Anbetracht der geradezu apokalyptischen Lage, der sich keineswegs verringernden Durchkommerzialisierung unseres kompletten Lebens und der unaufhaltsamen Vernichtung von Lebensraum müssten die Öffentlich-Rechtlichen radikal umdenken. Denn ihnen kommen – gerade durch ihre Gebührenfinanzierung und Unabhängigkeit vom Werbemarkt – besondere Bedeutung und Verantwortung zu.

Was heißt das konkret? Dass das Publikum nicht sporadisch und auch nicht einmal im Jahr stark konzentriert, sondern in völlig neuen Formaten an jedem einzelnen Tag zweierlei erfahren, ertragen, erlernen muss: die schonungslose Wahrheit da draußen und die bereits existierenden Lösungen dafür. Kurz: schockieren und aufklären!

Hat nicht jeder schon einmal erlebt, wie heilsam ein Schock sein kann? Wie Lerneffekte erst dann greifen und verändertes Bewusstsein nach sich ziehen, wenn man grundlegende Erschütterungen erfährt? Wie wir aus unserem Sessel erst dann hoch kommen, wenn der störende Reiz nicht aufhören will?

Ich kenne die bei solchen Forderungen geäußerten Bedenken der Chefredakteure seit Jahren: „Das ist zu hart. Das ist zu getragen. Das ist zu intellektuell. Das verschreckt.“ Nein, es kann nur noch so gehen. Die Zeit der homöopathischen Dosen ist vorbei. Gebt dem Volk die ganze Wahrheit, ausführlich und jeden Tag, und ohne Rücksicht auf die Quoten! Schockiert es und gebt ihm gleich danach das Rüstzeug für den Aufbau einer nachhaltigen Welt an die Hand! Konferiert also! Erfindet! Strickt eure Programmschemata neu! Das wäre genau jetzt die Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen.


13.10.2010 - Hurra, wir lieben noch!
Die gelungene Rettungsaktion in Chile vereint einen ganzen Planeten

Die ganze Welt verfolgt die Rettung der verschütteten Bergleute in Chile – und nimmt Teil an einem ungeahnten, kollektiven Gefühlserlebnis. Kaum ein Land, dessen Kanäle keine Extrasendungen ins Programm genommen haben. Tränen, Applaus, Sprachlosigkeit bei jedem einzelnen geretteten Kumpel.

Trotz aller Krisen, trotz der Zerrissenheit unserer Gesellschaften, trotz der riesigen Probleme, die viele Menschen gerade in ihrem Alltag bewältigen müssen, richten sich in diesen Stunden die Blicke nach Südamerika. Wahrscheinlich genau deshalb. Endlich durchbricht ein gewaltiges Positivereignis die uns sonst so erdrückenden Negativschlagzeilen. Das Leben, es schreibt doch noch Erfolgsgeschichten, die nichts mit Wirtschaftswachstum und Exportweltmeisterschaften zu tun haben.

Für mich trägt die Rettungsaktion von Chile nicht nur die Botschaft in sich, dass wir niemals die Hoffnung verlieren, in keinem Moment unsere Zuversicht aufgeben dürfen. Die Rettungsaktion beweist vor allem die große Kraft der Herzen, die es schafft, Millionen Menschen aus allen Kontinenten zu vereinen, nach dem Motto: Hurra, wir lieben noch!


10.10.2010 - Bürgerlicher Protest gehört nun zum Alltag
Im Chaos formieren sich die Kräfte neu

Noch vor ein paar Wochen habe ich daran gezweifelt, dass die Deutschen in der Lage sein könnten, konzertiert, organisiert und über einen längeren Zeitraum auf die Straße zu gehen. Inzwischen verrät ein einziger Blick in die Tagesschau, dass sich etwas tut in unserem schmerzunempfindlich geglaubten Land. So wurde diese Woche allein in einer Hauptnachrichtensendung von drei Demonstrationen berichtet: über den Stuttgarter Anti-Bahnhofs-Aufmarsch, über Proteste gegen längere Reaktorlaufzeiten, über Hartz-IV-Rebellion. Sogar Fußballfans erhoben in Berlin ihre Stimme gegen die Kommerzialisierung ihres Sports und für den Erhalt der Fankultur.

Wir reden hier nicht von ein paar Hundert Menschen, sondern – rechnet man die Proteste einer Woche zusammen – von Hunderttausenden. Das ist inzwischen eine Menge, die schmerzt, die die Politik nicht mehr einfach so ignorieren kann und durchregieren lässt. Das zeigt sich zum Beispiel an den aktuellen Umfragen, die den Grünen Rekordwerte prognostizieren. Davon hatte vor einem Jahr niemand zu träumen gewagt.

Was heißt das für unser Land, für die Gralshüter des Gestrigen? Wir stehen an einem Wendepunkt. Deutschland befindet sich in einem vakuumartigen Zeitfenster, in dem sich gesellschaftliche und politische Kräfte neu sortieren. Die mutigen Vertreter eines neuen, nachhaltigen Bewusstseins, das der von einer menschenfeindlichen Politik missbrauchten Demokratie ein Ende setzen könnte, bekommen erheblichen Zulauf aus dem Bürgertum. Der Protest formiert sich nicht mehr in einer kleinen Gruppe langhaariger, ungewaschener, belächelter Anarchos. Lehrer, Ärzte, Anwälte basteln sich genauso ihre Banderolen. Diese Umschichtung der Strukturen, das wissen Chaosforschung und Systemtheorie, passiert – auch in sozialen Systemen – immer dann, wenn das Chaos zu groß und damit das alte Konstrukt zu labil geworden ist.

Diese neuen Bewusstseinsstrukturen werden nun auch deshalb zur Gefahr für die Vertreter des alten Denkens, da die Politik nicht mehr auf das schnelle Vergessen des Bürgers hoffen kann. Der Protest ist ein konstanter. Er wird von jetzt an zum Tagesgeschäft gehören. Deshalb wird man sich erinnern, wenn im kommenden Superwahljahr (Berlin, Bremen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern) um Stimmen gebeten wird.


10.09.2010 - Ein Volk in Angst
Eine neue Umfrage weist die stark wachsenden Sorgen der Deutschen auf

Wir haben Angst! Die meisten von uns haben Angst! Wenn wir ehrlich sind, fürchten wir uns vor unglaublich vielen Dingen. Suchen wir für all unsere Ängste einen gemeinsamen Nenner, geht es immer nur um eines: um Verlust. Dabei klammern wir uns in erster Linie an Materielles. Völlig klar, wird unser Alltag doch vom materiellen Teil des Lebens dominiert. Das ist aber gleichzeitig der Grund, warum viele Menschen in ihrer Angst zu ertrinken drohen und vergeblich nach einem Rettungsring rufen. Denn wüsste man um den anderen Teil des Lebens, die Kräfte des Geistigen, könnte man seine Ängste getrost vergessen, wäre doch damit klar, dass positive Haltungen, Zuversicht, Urvertrauen, Glaube – nichts anderes beschreibt der Placebo-Effekt – imstande sind, jede vermeintliche Gefahr zu pulverisieren.

Ich schreibe heute diese Gedanken auf, da mir gestern die Ergebnisse einer Umfrage in die Hände fielen, einer Umfrage, die die GfK regelmäßig im Auftrag der R+V Versicherung durchführt. Es geht dabei um die Ängste der Deutschen. Die Studie wird jedes Jahr gemacht, und die Einschätzung von Bedrohung ist im Vergleich zu 2009 deutlich gewachsen. Vor allem ökonomische Ängste stehen im Mittelpunkt der Bundesrepublikaner. Fast jeder Zweite hat demnach große Zukunftsängste. Und über zwei Drittel der Befragten befürchten eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage. Zwar nahm die Sorge, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, ab, doch sind knapp 50 Prozent, die deswegen bangen, nicht wenig.

Ein Volk in Angst! Über diese Ergebnisse könnte man lange Abhandlungen verfassen. Hier sei bloß bemerkt, dass wir es selber in der Hand haben, uns von den medial verbreiteten Negativismen nicht vom Weg abbringen zu lassen. Angst lähmt. Angst hindert. Nur wer seine Ängste klein kriegt, kann sich weiterentwickeln und erkennen. Nur wer sich von einem Urvertrauen – in wen auch immer – leiten lässt, kann frei sein. Möglicherweise ist genau deshalb diese Angst gewollt.


08.09.2010 - Kampf der Kreativen
Regisseurin Anna Bergmann randaliert in der SZ gegen den verkommenen Theaterbetrieb

Ein Kommentar mit Verspätung: Schon letzte Woche stieß ich während einer Bahnfahrt im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung auf ein Interview mit Theaterregisseurin Anna Bergmann. Die Dame kotzt sich aus – ja, so muss man es nennen – über die Zustände im deutschen Kulturbetrieb, spricht offen von mangelhaften Fließbandproduktionen, dem Desinteresse der Theaterhierarchen und dem Kampf der Kreativen gegen die Erbsenzähler.

Zwei mutige Aussagen seien hier zitiert. Auf die Frage von Interviewer Vasco Boenisch, wie schwierig es sei, seinen Idealismus im Alltag zu bewahren, sagt sie: "Schwer. Es gibt eine Reihe von Regisseuren, die nicht zwingend wegen der Kunst Theater machen, sondern auch, weil sie damit eine Stange Geld verdienen und sich eine Villa kaufen können. Für die Künstler geht es immer stärker darum, sich zu profilieren. Und die Theater müssen funktionieren." Was sich denn ändern müsse, wird sie später gefragt. Ihre Antwort: "Zu viele Leute, die praktisch keine Ahnung von Theater haben, treffen zu viele wichtige Entscheidungen. Es wird zu viel geplant, durchgerechnet, strategisch ausbalanciert. Es bräuchte mehr Anarchie, mehr Dich-zur-Disposition-Stellen. Wenn nur noch Finanzbosse und Verwaltungsexperten die Häuser führen statt Künstler, wird das Theater langweilig und berechenbar."

Bravo! Es sind ungefähr die gleichen Kritikpunkte, die ich in meinem Visionärsbuch gegenüber der deutschen Medienbranche äußere. Es ist die Negativenergie, die einen als Idealist verrückt werden lässt. Wie soll man seiner Verantwortung gerecht werden, wenn der Kapitalismus auch die Wirtschaftsbereiche völlig in sich aufsaugt, die keine simplen Schrauben, sondern Botschaften herstellen, Botschaften, die eigentlich verändern und gesellschaftliche Entwicklung bedingen sollen? Was bleibt, ist die eigene Initiativkraft, der eigene Mut, die eigene Zuversicht und die Vernetzung mit denen, die genau so denken. Anna Bergmann gehört zu diesen Mutigen.


21.08.2010 - Abschied von Christoph Schlingensief
Der größte Systemkritiker des Kunstbetriebs ist heute gestorben. Eine Erinnerung

Was hat ein Nachruf auf Christoph Schlingensief mit einem Blog über die globale Krise zu tun? Sehr viel. Denn der Mann ist Sinnbild für den Kampf gegen sie. Sollte man sagen, für den vergeblichen Kampf? Niemals. Sein Abschied aus dieser Welt ist nicht in der Lage, das Lebenswerk zu vernichten. Es ist ein Werk, das erzählt von der Verantwortung des Künstlers. Es ist ein buntes, kantiges, mutiges Werk, das einzigartig ist in der deutschen Kunstszene. Es ist so unvergleichlich, dass sich andere, bekanntere, massenwirksamere Kollegen Schlingensiefs schämen müssten.

Er war Sprachrohr und Anwalt der Vergessenen und Kraftlosen, er war ein Kritiker der Politik, des Kapitalismus und des Kunstbetriebs selbst. Er appellierte mit den Spielarten einer unerschöpflichen Kreativität für die Rückkehr der Moral und der Menschlichkeit. Er folgte immer seinem Herz, während andere ihrem Kopf folgten. Er stellte das reine Gefühl über den kühlen Intellekt – und erreichte so das Publikum. Fast paradox, dass sein größter Gegner weder Mensch noch Institution, sondern ein Gefühl war, das womöglich zerstörerischste aller Gefühle: die Angst.

Ich begegnete Christoph Schlingensief drei Mal. Es waren außerordentliche Begegnungen, Interviews, die Spaß und mit dem ersten Satz des Befragten klar machten, hier hat jemand eine Mission, hier brennt jemand, hier will jemand etwas verändern, komme, was wolle. Aber trotz dieses Mutes schwang in jedem Gespräch auch diese Angst mit, eine Angst vor eigenen Unzulänglichkeiten und den übermächtigen Institutionen. Aus dieser Angst heraus gründete Schlingensief die Church of Fear, eine Solidargemeinschaft von Terrorgeschädigten und Manipulationsopfern von Regierungen, Kirchen und Medien. Denn die Angst ist es, die uns hindert zu erkennen, weiterzukommen, zu gesunden.

Angst war auch Thema unseres Dreiergesprächs mit Wolfgang Schäuble, bei dem unten stehendes Foto entstand. "Was fehlt, ist das aufrichtige Gespräch zwischen Politik und Bürger", versicherte Schlingensief dabei. "Also nicht zu sagen: ,Unsere Burgtürme sind sicher! Macht euch keine Sorgen!' Sondern zuzugeben: ,Wir haben genauso Angst wie ihr!' Das wäre ein Element, das verbinden würde. Doch das leistet sich keiner, weil Emotionen vom Parteiensystem sofort angegriffen werden. Und da sind wir bei Mama und Papa, die ich auch weinen gesehen habe. Aber das hat mich mehr an sie herangebracht als Eltern, die immer genau wissen, wann sie jetzt rechts oder links Richtung Urlaub abbiegen müssen."

Ich erinnere mich gut an eine Stelle des Gesprächs, als Schäuble versuchte, Schlingensief Mut zu machen und ihn an seine eigene Stärke zu erinnern. Die Passage ging so:


SCHÄUBLE: Die Angst zu versagen hat man immer. Früher beim Tennis haben mich Niederlagen unheimlich beschäftigt. Sie werden wahrscheinlich, Herr Schlingensief, wenn Sie jetzt Wagners Parsifal in Bayreuth inszenieren, auch eine gewisse Sorge haben, oder?

SCHLINGENSIEF: Ja, klar. Es gibt sogar eine doppelte Angst. Die eine Angst, dass ich es zu vielen Leuten recht machen will und mir deshalb untreu werde, und dass die, die mir wohlgesinnt sind, sagen, dass sich Schlingensief verkauft hat. Die andere Angst ist die, ob ich Bayreuth überhaupt gewachsen bin. Kann ich dort bestehen? Bin ich in der Öffentlichkeit nachher erledigt, ein Versager, Vollidiot, Nichtskönner? Ich muss mich immer wieder fragen, was der wahre Anlass ist, warum mich diese Arbeit interessiert. Ich muss mir treu bleiben.

SCHÄUBLE: Wenn Sie sich treu geblieben sind, können Sie auch die Buhrufe ertragen.


Schlingensief selbst konnte die Beschäftigung mit der Angst, mit den Bedrohungen, auch mit seiner Krankheit nicht retten. Die Nachricht von seinem Tode erreichte mich heute während infernalisch lauten Jubels im Stadion des HSV. Ich bin immer noch tief berührt, tief traurig. Wir haben einen der menschlichsten, authentischsten und kreativsten Künstler unseres Landes verloren. Danke, Christoph Schlingensief!


18.08.2010 - Ein Image verhindert Spenden
Die mangelnde Hilfsbereitschaft der Deutschen für Pakistan ist mediengemacht

Heute, gestern und vorgestern vermelden es die Nachrichten: Die Spendenbereitschaft der Deutschen für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan lasse sehr zu wünschen übrig. Kein Vergleich zu den Millionen, die für die Erdbebenopfer von Haiti gespendet wurden. Der Grund, so wird ganz einfach von den News-Textern behauptet, liege darin, dass die Deutschen Zweifel daran hätten, dass das Geld auch ankommen würde bei den Bedürftigen im Nahen Osten. Wer sagt das?

Ich glaube, dass die Antwort ganz woanders liegt. Nämlich bei den Behauptern dieser These selbst, den Medien. Sind die es nicht, die seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten, ein eindeutiges Image bauen von Pakistan und der Hindukusch-Region? Sind die es nicht, die die dortigen Länder in ihren Frontsendungen fast ausschließlich als unsichere Schurkenstaaten, als Rückzugsgebiete der Taliban, als Territorien menschenverachtender Warlords charakterisieren und thematisieren? Sind die es nicht, die die Volksseele, die Talente, die kulturellen Errungenschaften der Staaten annähernd ausblenden?

Genau dieses einseitige Negativ-Image ist wohl der Grund dafür, warum den meisten Deutschen das Schicksal Hunderttausender Pakistani egal ist. So hart muss man es ausdrücken. Medial aufgebaute Images stoßen ab oder holen ins Herz, erzeugen Gleichgültigkeit oder Mitgefühl. Und wer Länder in aktuellen Krisengebieten kontinuierlich stigmatisiert, darf sich nicht wundern, wenn das irgendwie ja doch sympathisch klingende Karibik-Haiti mehr Spenden erhält als Pakistan.


05.08.2010 - Haste mal ne Milliarde?
Warum die Spendierfreudigkeit von Bill Gates & Co. auch viele Fragen aufwirft

Eine Meldung mit Wucht: "Pledge to give away half gains billionaire adherents" titelte die Online-Ausgabe der New York Times, die Londoner Times schrieb ähnlich "Billionaires pledge to give away half their fortunes", und unsere FAZ machte daraus "Superreiche wollen Hälfte ihres Vermögens spenden". Die Nachricht hinter der Schlagzeile: Microsoft-Gründer Bill Gates und Investorengigant Warren Buffett verkündeten, in einer konzertierten Aktion von bisher drei Dutzend Unternehmern Dollarbeträge mit neun Nullen für wohltätige Zwecke zu spenden. Zum Teil belaufen sich die mildtätigen Gaben – wie im Falle Buffetts – auf 80 Prozent des Gesamtvermögens. Ungeheuerlich.

Ein Signal, auf das wir im Angesicht der globalen Megakrise lange warten mussten: Die größten Profiteure der Globalisierung besinnen sich – diesmal nicht bloß in Einzelfällen, sondern in der Gruppe – auf ihre Verantwortlichkeiten und lassen das Geld wieder zurückfließen an die, durch die sie reich wurden sowie an die, die nie bei ihnen kauften oder investierten. Die Mitverursacher der Krise haben ein schlechtes Gewissen bekommen. Das nennt man wohl sozialen Patriotismus oder globale Wohlfahrt. Spät, aber immerhin.

Trotz der Hoffnung, die in der Meldung liegt, müssen jedoch zwei Fragezeichen diskutiert werden. Erstens: An wen und für was werden die Summen gespendet? Zweitens: Reicht es heute noch aus, schlicht Dollars zur Verfügung zu stellen?

Gelingen würde die Aktion nur dann, wenn tatsächlich diejenigen profitierten, die die letzten Jahrzehnte weltweit ausgebeutet, missbraucht, ignoriert wurden. Gelingen würde die Aktion nur dann, wenn tatsächlich die Technologien beschleunigt würden, die unseren Energiemarkt revolutionierten. Gelingen würde die Aktion nur dann, wenn nachhaltige Alternativen zum Raubbau an unserem Planeten gesponsert würden. Gelingen würde die Aktion nur dann, wenn sie frei ist von jeglichem Lobbyismus. Gelingen würde die Aktion nur dann, wenn der Geldtransfer einhergeht mit einem Moraltransfer in den Häusern der jeweiligen Geber. Gelingen würde die Aktion nur dann, wenn die unternehmerischen Untugenden, die die Krise erzeugten, fortan auch im Tagesgeschäft konsequent eingetauscht würden gegen Tugenden der Nächstenliebe. Gelingen würde die Aktion also nur dann, wenn sie aus tiefem Herzen empfunden ist und  ihr ein neues Bewusstsein zugrunde liegt.

Die Welt wird die spendablen Herrschaften im Auge behalten.


05.08.2010 - Auftrag erfüllt!
Aufdecken, aufklären, richtigstellen – Warum Rundfunkgebühren gerechtfertigt sind

Bravo, ARD, bravo! Es sind Abende wie der gestrige, warum man gerne Fernsehgebühren zahlt. Qualität kostet! Zuerst die Presenter-Reportage von NDR-Mann Christoph Lütgert über die skrupellosen Geschäftspraktiken des Textildiscounters Kik, dann die Nahaufnahme über Ex-Minister Peer Steinbrück und am Ende ein Feature zur braunen Vergangenheit der Lufthansa. Exemplarisch hat die ARD gezeigt, wofür sie im Kern da ist und welche Kraft in diesem Senderverbund steckt. Es ist die Furchtlosigkeit, den Finger in die Wunden von Politik und Wirtschaft zu legen. Eine Furchtlosigkeit, die natürlich genährt wird durch die Gebührenfinanzierung. Keine Angst also vor womöglich nicht mehr buchenden Werbekunden wie Kik oder Lufthansa.

Solche Abende gibt es auch im ZDF. Meistens an den Dienstagen, wenn "Frontal 21" richtig loslegt. Dann ist man froh und glücklich, ein solches Rundfunksystem zu haben, dessen Rückgrat die gut ausgebildeten, getriebenen und für den Grundauftrag brennenden Journalisten sind. Gleichzeitig sind die auch ein wesentlicher Wirbel im Rückgrat der Gesellschaft. Akteuren der Massenmedien kommt gerade in Krisenzeiten eine elementare Bedeutung zu. Die besteht im Aufklären, Aufdecken, Unterrichten, Richtigstellen. Wird das nicht mehr geleistet, bricht das System nach einigen Jahren in sich zusammen.

Daher müsste Alt-Reporter Lütgert demnächst – diskussionslos – mit einem der relevanten deutschen Medienpreise ausgezeichnet werden. Für seinen Mut, seine Beharrlichkeit, seine Menschlichkeit und sein Rollenselbstverständnis.

Und bitte keine Diskussion über allzu schweren Qualitätsjournalismus und seine vermeintlich quotenschädlichen Nebenwirkungen! Knapp vier Millionen wollten gestern abend wissen, was es auf sich hat mit dem Kik-Imperium und seinem moralfernen Chef Stefan Heinig.


21.07.2010 - Ohne Bildung ist Demokratie nutzlos
Zum Ergebnis des Hamburger Volksentscheids

Der Schlachtenqualm verzieht sich langsam in Hamburg. Die Fronten aus Bürgerschaft und Bürgertum haben das Feld verlassen. Die Schulreform ist gekippt. Was bleibt? Mehr als ein übler Nachgeschmack. Stand das ambitionierte Projekt doch für überparteilichen Willen zur Veränderung sowie für die Einsicht, dass Bildung eines unserer wertvollsten Güter ist.

Die etablierten Volksparteien waren ausnahmsweise in der Lage, ein gemeinsames Paket zu schnüren, über selbstgesetzte Grenzen hinwegzublicken und die Klientelpolitik für einen Moment zu vergessen. Basis war die fast kollektive Einsicht, dass ein Bildungssystem, das ausgrenzt, nicht zukunftsfähig ist. Es ging nicht um Gleichmacherei, wie viele Kritiker argumentierten, es ging um Chancengleichheit. Die gesellschaftlich Unterprivilegierten sollten die Chance bekommen, am Luxus Bildung länger und konzentrierter zu partizipieren und nicht schon früh als vermeintlich asoziale Hauptschüler stigmatisiert zu werden, deren Unterricht auf ein Leben mit Hartz IV vorbereitet.

Die Politik hatte die Rechnung ohne den zivilen Widerstand Hamburgs gemacht. 276304 Wähler waren in der Lage, ein Bildungssystem am Laufen zu halten, das lediglich Mittel- und Oberschicht in die Karten spielt.

Doch immer noch gilt die weltweit erprobte Wahrheit: "Ohne Bildung ist jede Demokratie nutzlos." Wer ein immer größer werdendes Prekariat außen vor hält, ihm tieferes Wissen und menschliche Fürsorge verwehrt, der versündigt sich nicht nur an denen, die es betrifft, sondern am gesamten Staat. Er macht Millionen Menschen zu willfährigen Objekten eines ungebändigten Machtapparates. In diesem Sinne ist das Ergebnis des Hamburger Volksentscheids beschämend und ein höchst zweifelhafter Triumph der Besitzstandswahrer.


08.06.2010 - Nach den Sparplänen: Erste Appelle zum Widerstand!
Warum wir wieder einen kollektiven Traum brauchen

Es ist eine der größten Reden der Menschheit, eine Rede für Freiheit und Gerechtigkeit und Zusammengehörigkeit. Martin Luther King hielt sie vor fast 47 Jahren, am 28. August 1963, in Washington. Im kollektiven Gedächtnis klingen seine Worte „I have a dream“ nach, aber kaum mehr.

Dabei ist die komplette Rede heute so aktuell wie einst. Darin heißt es beispielsweise: „So we have come here today to dramatize a shameful condition. In a sense we have come to our nation's capital to cash a check. When the architects of our republic wrote the magnificent words of the Constitution and the Declaration of Independence, they were signing a promissory note to which every American was to fall heir. This note was a promise that all men, yes, black men as well as white men, would be guaranteed the unalienable rights of life, liberty, and the pursuit of happiness.“

Nach den jüngsten politischen Entwicklungen braucht es nicht mehr lange, bis sich auch die deutsche Bevölkerung in die Hauptstadt aufmacht, um „einen Scheck einzulösen“. Anlässe dafür gäbe es inzwischen genug: die unsozialen Sparpläne der schwarz-gelben Koalition, das damit einhergehende Verschonen der finanziellen Oberschicht, das völlig unzulängliche Vorgehen gegen Euro- und Finanzkrise, der Missbrauch der Steuerzahler als Bankenretter, das schrittweise Zerbrechen des öffentlichen Lebens in den Kommunen, die offensichtliche Taktiererei der Regierung um das Amt des Bundespräsidenten.

DGB-Chef Michael Sommer kündigt nun Proteste an, ebenso ruft Margot Käßmann zum Widerstand auf. Es scheint nicht viel zu fehlen, bis Berlin eine völlig neue und heftige Dimension bürgerlicher Resistenz zu spüren bekommt. Sie wäre jedenfalls bitter notwendig. Und dann wäre ein ebenso friedlicher, weiser und charismatischer Redner wie Martin Luther King gefragt, der sich auf die Wiese vor dem Reichstag stellt und mit seiner Ansprache die Herzen erreicht:

„Ich habe einen Traum, dass Parteigrenzen fallen und die, die es ehrlich meinen, gemeinsam ihr Land aus der Krise führen. Ich habe einen Traum, dass die großen Egos zusammenschrumpfen und die mächtigen Monopole versinken und man sich in Liebe und Verantwortung um das Wohl aller kümmert. Ich habe einen Traum, dass kein Kind in die Suppenküche gehen und kein Rentner in Armut sterben muss. Ich habe einen Traum, dass nicht mehr die Angst euer Leben regiert, sondern die Zuversicht. I have a dream!“



04.06.2010 - Ein vorbildlicher Rücktritt
Wollte Horst Köhler sich und seine Ehe schützen? Wie der Turbo der wirtschaftlichen Systeme unsere Psyche zerreibt

„Fußball ist zu 90 Prozent Psychologie“ lautet eine alte Weisheit des grünen Rasens. Sie besagt, dass die Spiele im Kopf entschieden werden – und erst in zweiter Linie mit der körperlichen Fitness oder dem System des Trainers zu tun haben. Jüngstes Paradebeispiel ist die Negativspirale, aus der Hannover 96 ein halbes Jahr lang keinen Ausweg fand, nachdem sich Torwart Robert Enke umgebracht hatte.

Die Fußballweisheit gilt auch für die Wirtschaft und im Speziellen für die Börse. Da sind einzelne Händler, Banker und vor allem die Berichterstatter in der Lage, mit unbedachten, übereilten, aktionistischen und zuweilen paranoiden Handlungen und Meldungen für panikartige Massenhysterie zu sorgen, die ganze Märkte, Staaten und Währungen in Gefahr zu bringen vermag.

Die Fußballweißheit gilt – und seit dieser Woche wissen wir es nun endgültig – auch für die Politik. Über den wahren Grund des Rücktrittes von Horst Köhler wurde viel spekuliert, aber es deutet einiges darauf hin, dass seine Seelenlage für den Abschied aus Bellevue gesorgt hat. Eine Seelenlage, die durch den öffentlichen Beschuss möglicherweise so schnell so schlimm wurde, dass der Bundespräsident jenseits seiner medial sichtbaren Auftritte nicht mehr war als ein Häufchen Elend. Könnte es nicht sein, dass Eva Luise Köhler, die auf dem Weg zur letzten Blitz-Pressekonferenz ihren Ehemann am Händchen hielt, die Notbremse zog, weil sie nicht mehr mit ansehen konnte, wie ihr Mann litt?

Fußballstadien, Börsen, Präsidentenpaläste – die Psychologie ist überall, und sie beeinflusst wesentlich und völlig unterschätzt den Lauf der Dinge.

Nun leben wir in einer Zeit, in der sich die Welt schneller zu drehen scheint. Wir fühlen nicht nur eine Beschleunigung allen Seins tief in uns, auch die Wissenschaft bestätigt längst, dass unsere Systeme den Turbo eingeschaltet haben. Entwicklungen, Entscheidungen, Erfindungen, Ereignisse, alles folgt immer unmittelbarer aufeinander. Die Abstände werden kürzer und kürzer.

Am anschaulichsten kann diese Rasanz durch die mediale Entwicklung dokumentiert werden: Trennten Höhlenmalerei, Keilschrift und Buchdruck noch Jahrtausende, so lagen zwischen Telegraphie und Radio nur noch knapp zwei Jahrhunderte, zwischen Radio und Fernsehen wenige Jahre, und die Innovationsgeschwindigkeit im Computerzeitalter ist mittlerweile in Monaten zu zählen.

Der Kapitalismus hat das natürliche Tempo der Evolution um ein Vielfaches erhöht. Die unsere Welt regierenden wirtschaftlichen Systeme haben eine perverse Eigendynamik bekommen. Dieses Tempo halten die sozialen Systeme, hält der Mensch nicht mehr aus. Die Geschwindigkeit zerreibt uns. Wir werden fragil, dünnhäutig, depressiv, neigen zu Kurzschlusshandlungen. Modisch attestieren wir uns den Burnout. Davor ist auch ein Bundespräsident nicht gefeit, kein Nationaltorhüter und kein Börsenguru.

Die große Kunst liegt jetzt in der Entschleunigung. Erst die Rückkehr in die Bewusstheit lässt uns das Leben wieder weise hinterfragen. Da dieser Bremsmechanismus auf globaler Ebene per Gesetzen und Konferenzen kaum zu initiieren ist, ist jeder einzelne dazu aufgerufen, seine Geschwindigkeit schrittweise zu drosseln und gegen den Trend die Hacken in den Boden zu rammen. Wir haben keine andere Wahl. Denn allein die Logik sagt uns, dass ungebremste Beschleunigung, ungezügelte Maßlosigkeit und unersättliche Egos zwangsläufig im Zusammenbruch enden müssen.

Insofern wäre Horst Köhler, dem aktuell vor allem Unverständnis entgegenschlägt, vielleicht sogar ein Vorbild.


28.05.2010 - Kämpfen für die Wirtschaft
Horst Köhlers Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz sind ein Skandal. Was bewegen sie?

Ist er nun missverstanden worden? Hat er sich mit seinem Statement auf andere Auslandseinsätze bezogen? Nein, hören wir auf mit den Ausflüchten, so wie Horst Köhler bei einem Bundeswehr-Besuch in Afghanistan ins Mikro des Deutschlandradio-Reporters antwortete, so wird er es höchstwahrscheinlich auch gemeint haben. Und ich war schockiert, als ich seine Worte hörte. Er sagte:

"Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg."

Längst ahnen und wissen wir alle, dass annähernd jeder Krieg von wirtschaftlichen Interessen getrieben ist. Aber auch der Einsatz in Afghanistan? Dort, wo es doch "nur" um unsere Sicherheit gehen sollte? Nun hat Horst Köhler, deutscher Bundespräsident und, bitte nicht vergessen, ehemals Chef des Internationalen Währungsfonds, ein Tabu gebrochen. Dieser Tabubruch könnte, das ist nicht schwer zu prognostizieren, einen politischen und gesellschaftlichen Erdrutsch zur Folge haben. Hat die Mehrheit der Bevölkerung deutsche Kriegseinsätze mehr oder weniger akzeptiert, zumindest aber geduldet, da es ja um eine "gute Absicht" gegangen war, liegt jetzt ein anderes Argument für unsere Truppenbewegungen auf dem Tisch. Es geht also, genau wie bei den Amerikanern, um wirtschaftliche Interessen, um militärisch umgesetztes Großmachtdenken. Köhlers Äußerungen, meiner Meinung nach ein unglaublicher Skandal, und ein Grund mehr, die Schuhe zu schnüren, um endlich auf die Straße zu gehen, um millionenfach friedlich zu demonstrieren, um Schilder hochzuhalten, die altbekannte Schriftzüge tragen: "Nicht in unserem Namen!"

Und zuletzt: Wie müssen sich die Soldaten in Afghanistan nun fühlen, die möglicherweise aus der ursprünglichen Überzeugung in den Hindukusch gingen, für etwas zu kämpfen, das doch noch einen humanistischen Hauch hatte. Aber nun: Wofür starben deren Kameraden? Vielleicht wird der Zorn die Tränen der Witwen trocknen. Vielleicht bewegt sich jetzt etwas in unserem betäubten Volkskörper.



16.05.2010 - Solar-Public-Viewing in Ghana
Jakob von Uexkülls World Future Council organisiert technische Aufrüstung zur WM

Alex Ahwireng, dem jungen Gemeindevorsteher von Oboadaka, steht die Freude ins Gesicht geschrieben: „Was für ein Glück für unser Dorf!“ Oboadaka liegt eine knappe Stunde von der ghanaischen Hauptstadt Ghana entfernt und ist nicht an das Stromnetz angeschlossen. Trotzdem werden die ca. 6900 Menschen aus Oboadaka und den umliegenden Dörfern viele Spiele der Fußball-WM in Südafrika verfolgen können. Zusammen. Draußen. Bei einem Public-Viewing, das durch Solarstrom ermöglicht und von der Hamburger Stiftung World Future Council (WFC) in Kooperation mit Energiebau Sunergy Ghana Ltd. organisiert wird.

WFC-Gründer Jakob von Uexküll: „Wir wollen den Menschen zeigen, dass Solarstrom zuverlässig ist – und ganz einfach dezentral installiert werden kann. Und wir wollen afrikanische Politiker motivieren, die Nutzung erneuerbarer Energien stärker zu fördern. Die erste Fußball-WM, die auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen wird, bietet dafür eine hervorragende Gelegenheit“. Bis heute sind 80 Prozent der Afrikaner für ihre Energieversorgung von Holz oder Holzkohle abhängig. Ein ernstes Entwicklungshindernis – und eine große Chance. Gelingt es, die Weichen so zu stellen, dass ein Großteil der notwendigen Entwicklung Afrikas auf der Basis erneuerbarer Energien wie Sonne, Wind und Biomasse geschieht, kann eine große Gefahr für das Weltklima gebannt werden. Deshalb bringt der World Future Council medienwirksam Solarstrom nach Oboadaka – und deshalb unterstützt er die African Renewable Energy Alliance (AREA), in der sich politische Entscheidungsträger sowie Vertreter von Wirtschaft und  Zivilgesellschaft aus zahlreichen afrikanischen Ländern zusammengeschlossen haben.

Vom 21. bis 23. Juni treffen sich AREA-Mitglieder unter dem Motto „Power Kick for Africa“ in der ghanaischen Hauptstadt Accra, um über politische Förderinstrumente, Finanzierungsmöglichkeiten und Technologien zu beraten. Zum Abschluss des Workshops werden sie am 23. Juni nach Oboadaka fahren – und dort gemeinsam mit den Dorfbewohnern das WM-Gruppenspiel der ghanaischen gegen die deutsche Nationalmannschaft auf der Leinwand sehen. Jakob von Uexküll: „Beim Public Viewing werden alle hautnah erleben, welche Möglichkeiten sich durch die Nutzung erneuerbarer Energien ergeben – und wie dankbar die Menschen dafür sind, nicht länger vom Weltgeschehen abgeschnitten zu sein.

Für Oboadaka endet das Glück nicht mit dem Endspiel der Fußball-WM am 11. Juli, denn die Solaranlage wird von Energiebau Sunergy Ghana Ltd. dauerhaft gestiftet und bleibt im Dorf. Mit dem erzeugten Strom wird dann das kleine Krankenhaus versorgt, dessen Ärzte und Schwester ihre Arbeit bislang ohne Elektrizität verrichten.

Text-Quelle: Pressemitteilung des WFC



05.05.2010 - "Die Balance zwischen Geben und Nehmen wieder herstellen"
Tilo Plöger zu Gast im Talk von Jürgen Fliege

Tilo Plöger ist Spitzenmanager, Kosmetikunternehmer und Schamane zugleich. Diese Kombination nutzt er, um gesellschaftliche Veränderung zu bedingen – u.a. mit revolutionär hergestellten Pflegeprodukten. Das fand ich so außergewöhnlich, dass ich Plöger bat, Teil meines Buches zu werden.

In "Die wahren Visionäre unserer Zeit" schildere ich nun Lebensweg und Lebenswerk dieses Mannes, der mutig in die Offensive geht und unsere Krise zum Beispiel so kommentiert: "Der Europäer ist mangelgetrieben. Er hat von allem zu wenig. Die Bilanzen müssen immer zu seinen Gunsten stehen. Das geht schief, wie man an der Weltwirtschaftskrise seit 2008 sieht. Und in der Liebe ist es auch so. Hierzulande fühlt man sich immer ungeliebt und kommt nicht auf die Idee, dass das damit zusammenhängen könnte, selbst auch mal geben zu müssen. Diese Veränderung zu unterstützen, diese Balance herzustellen zwischen Geben und Nehmen, das ist für mich der Auftrag."

Das klang auch für Jürgen Fliege so spannend, dass er Tilo Plöger in seine Talkshow einlud. Das Gespräch der beiden wird heute und morgen über den baden-württembergischen Regionalsender bwfamily.tv ausgestrahlt und ist ebenso im Internet auf der Website von Jürgen Fliege zu verfolgen.
















30.04.2010 - Über den Verlust wahren Patriotismus'
Die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko zeugt von emotionaler Entrückung der US-Regierung

Was tut ein Vater, dessen Familie bedroht wird? Er versucht sofort, das Unheil abzuwenden.

Ich fürchte, dass sich zurzeit im Golf von Mexiko eine der größten, menschengemachten Umweltkatastrophen nicht nur der USA, sondern der Erde abspielt. Schon als die ersten Meldungen über die gesunkene Ölplattform am 22. April die Runde machten, war mir sofort klar, dass dieser Vorfall unterschätzt wird. Da ist kein kleiner Öltanker gesunken, sondern eine Bohrinsel abgebrochen! Das heißt, dass eine unüberschaubar große Menge Rohöl sekündlich aus dem Seeboden austritt. Dieses Öl kann Wochen und Monate fließen. Wie viele Tonnen lagern noch da unten? Unvorstellbar!

Wie kann eine Regierung, die Billionen Dollar für Kriege und Rüstung ausgibt, einer einzigen hilflosen Firma tagelang die natürlich vergebliche Beseitigung der Angelegenheit überlassen? Warum ist nicht unverzüglich das Militär ausgerückt? Warum hat man nicht sofort einen hochrangig besetzten Krisenstab gebildet? Es ist ungeheuerlich, und die Fernsehbilder zerreißen mir schier das Herz.

Hier hat sich eine mit allen Möglichkeiten ausgestattete Weltmacht verhalten wie ein Vater, der keinerlei emotionale Verbindung mehr hat zu seiner Familie und in ansonsten leicht zu erspürenden Gefahrenlagen Krankheit und Tod von Frau und Kindern in Kauf nimmt. Ja, das ist wahrscheinlich die passendste Assoziation. Es geht bei dieser Katastrophe um emotionale Entrückung. Es geht um einen kaputten Patriotismus, einen Patriotismus, der sich mehr an profitorientierten Militär- und Finanzeinsätzen im Ausland definiert als an der wahren und tief empfundenen Sorge um Mensch und Natur. 

Wahrscheinlich hat der Kapitalismus auch den Patriotismus zerstört. Was heißt hier "wahrscheinlich", natürlich ist es so. Erst hat der Nationalsozialismus den Patriotismus missbraucht, und nun hat ihn der Kapitalismus pervertiert. Dabei kann Patriotismus, hat er mit dem Gefühl der Liebe zu tun, zum wahren Motivator werden, um Frieden herzustellen. Eigentlich überflüssig klarzustellen, dass Patriotismus in einer Zeit der Globalisierung ebenso umdefiniert werden muss in einen "globalen Patriotismus". Wäre dieses Gefühl von Liebe und Verantwortung – selbst im Falle von Obama – verhanden gewesen, hätte man nicht erst nach zehn Tagen gehandelt.


29.04.2010 - Die Fratzen der Finanzkrise
Moralfreie Wesen live und in Farbe

Die Profiteure der weiterhin schwelenden Finanzkrise haben diese Woche ihr Gesicht gezeigt. Geldstrategen wie Lloyd Blankfein und Fabrice Tourre von Goldman Sachs sowie ihr ehemaliger Kollege Dan Sparks mussten vor dem US-Kongress aussagen. Es ging um Betrug. Die Investmentbank soll ihren Kunden Wertpapiere verkauft haben, obwohl sie gleichzeitig gegen die gleichen Wertpapiere wettete. Roboterhaft wiesen die Herren jede Schuld von sich.

Interessant waren weniger die inhaltlichen Details als vielmehr öffentliche Identifikation wie Verhalten der möglichen Täter an dieser Art Weltpranger. Es agierten aalglatte Männer, abgezockte, eiskalte, skrupellose Wesen, völlig ohne Moral. Wie viele Fragen stellen sich da dem Psychoanalytiker, dem Philosophen, dem einfachen Zuschauer? Wahrscheinlich die gleichen Fragen, die während der Nürnberger Prozesse aufkamen. Was muss man erfahren haben, wie muss man konstituiert sein, damit jede Form von sozialem Handeln, Verantwortung und Gewissen verloren gehen konnte?

Für die Recherche zu meinem Visionärsbuch fragte ich Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz nach seinen Kontrahenten. Er antwortete passend: „Ich habe keinen einzigen Menschen getroffen, der sich im Nachhinein schuldig gefühlt hätte. Menschen stellen sich nicht gern selbst in Frage. Sie arbeiten schwer daran, Glaubensinhalte zu kreieren, die in ihr Weltbild passen. Sie machen ihren Job. Man könnte sie fast Mörder nennen, aber sie sehen sich nicht so. Im Gegenteil, sie denken, sie tun etwas Gutes und geben ihren Opfern sogar noch die Schuld.“
Genau dieses Muster wiederholt sich auch im Falle der Goldman-Sachs-Gebrüder. Die Alleinschuldigen sollen die dummen Anleger respektive einige deutsche Banken sein, die die faulen Anlagen ja hätten erkennen können.

Heute ergriff nun Bundespräsident Horst Köhler das Wort. Eine seiner seltenen Attacken richtete sich gegen die Spekulanten, die mit weiteren Wetten aus der Griechenland-Krise Profit geschlagen haben. Auch er sprach von einem immer wiederkehrenden Schema. "Die aktuelle Krise zeigt ein Muster, das nicht akzeptabel ist – die Gewinne haben wenige gemacht, die Verluste muss die Allgemeinheit tragen", sagte er beim Forum "Munich Economic Summit", "das gebietet einfache und harte Regeln für die Finanzindustrie."

Solch ein Regelwerk forderten Visionäre wie Joseph Stiglitz schon vor Jahren. Was muss eigentlich noch passieren, ehe ein solche Experten-Appell in die Tat umgesetzt wird? Der Total-Crash? Die Erstürmung von Banken?


14.04.2010 - Haiti, Chile, China, Island – Erdbeben und was dahinter steckt
Der Biophysiker Dieter Broers liefert neue Erklärungen für aktuelle irdische Phänomene

Einer meiner Visionäre, der Biophysiker Dieter Broers, fasziniert mit seinem aktuellen Buch "(R)EVOLUTION 2012" und seinem gleichnamigen Dokumentarfilm die Massen zurzeit in besonderem Maße. Das Werk, das die aktuellen Vorgänge einer globalen und geistigen Umbruchphase zu erklären versucht, ist längst ein Bestseller, Broers' Filmvorführungen sind regelmäßig ausverkauft, der Wissenschaftler wird inzwischen gebeten, vor ausgewählten Entscheidungsträgern zu referieren, Chefs von Unternehmen, Banken und Versicherungen suchen bei ihm Rat. Die große Frage, die er immer wieder gestellt bekommt, ist: Was passiert eigentlich gerade mit der Erde, einem Planeten, dessen Krisen und Katastrophen sich in den letzten Jahren zu beschleunigen und potenzieren scheinen? Offensichtlich liefert Broers, dessen beeindruckenden Lebensweg ich in meinem Visionärs-Buch schildere, Antworten, die den suchenden Menschen von offizieller Seite nicht angeboten werden.

Ich möchte an dieser Stelle ein aktuelles Beispiel für die fehlenden Antworten geben. Heute früh hat sich ein weiteres schweres Erdbeben ereignet. Dieses Mal im Nordwesten Chinas. Stärke: 6,9. Von Hunderten Toten ist die Rede. Ich frage mich seit Wochen: Die Häufung mittelschwerer bis schwerer Erdbeben allein in diesem Jahr kann doch nicht bloß gefühlt sein. Diese Häufung ist doch offensichtlich. Haiti, Türkei, Chile, Mexiko, Spanien, China, Island. Ich frage mich weiter: Warum wird auf dieses Phänomen von offizieller Seite nicht eingegangen? Und – eigentlich viel schlimmer – warum werden von den Massenmedien keine Fragen in diese Richtung gestellt bzw. Recherchen unternommen? Will man nicht? Darf man nicht? Kann man nicht? Merkt man nichts?

Um zu zeigen, dass diese Fragen nicht aus der Luft gegriffen, sondern berechtigt sind, möchte ich auf links stehende Grafik hinweisen. Sie stammt vom U.S. Geological Survey (USGS), der amerikanischen Institution zur Aufzeichnung und Analyse von Katastrophen wie z.B. Erdbeben. Das Balkendiagramm weist die Häufigkeit schwerer Beben mit Stärken zwischen 6 und 8 innerhalb der letzten 108 Jahre auf. Wir erkennen eine extreme Zunahme der schweren Beben zwischen 1998 und 2008. Die Beben aus dem letzten Jahr und aus 2010 sind noch nicht mit dargestellt. Interessant, dass diese Grafik seit einigen Wochen auf den offiziellen Seiten des USGS nicht mehr zu finden ist. Warum? Dieter Broers hat auch diesbezüglich Antworten anzubieten. Sie haben zu tun mit der anfangs erwähnten Umbruchphase. Die Beben seien, wie Broers sagt, "kosmisch induziert".


13.04.2010 - Architekt Georg Thurn-Valsassina zu Gast im Talk von Jürgen Fliege
Der Visionär erklärt, wie er mit der Kraft von Bauwerken die Menschheit in ein neues Bewusstsein führen will

Architekten habe ich schon einige kennengelernt. Aber keiner hat mich so beeindruckt, hat so visionär gedacht wie Georg Thurn-Valsassina. Darum ist seine Geschichte Teil meines Visionärs-Buches. Thurn baut subtil, plant geomantisch. Er sagt: „Das einzige, das mich nur noch interessiert, ist, Schwingungsfrequenzen so zu verändern, dass die Menschheit in einen anderen Bewusstseinszustand gerät und endlich aufhört, sich auszubeuten und umzubringen. Ich schaffe die Räumlichkeiten, die die Schwingungsfelder aufbauen, die der neuen Bewusstseinslage entsprechen. Diese Bewusstseinslage, in der es um nichts anderes geht als um Nächstenliebe und den Abschied vom Materialismus, ist noch nicht da, aber sie ist in Vorbereitung.“

Mit seinen Thesen war Georg Thurn-Valsassina jüngst zu Gast in der Talkshow von Jürgen Fliege. Sein beeindruckender Auftritt steht auf Flieges Internetpräsenz online und ist hier nachzusehen. Der Fernsehpfarrer war von Thurn-Valsassina so angetan, dass er gleich eine zweite Sendung mit ihm aufzeichnete. Die wird im Juni gesendet.























12.04.2010 - Das Märchen vom aufgeklärten Bürger
Zum zweifelhaften Sinn von Meinungsumfragen

Gerade veröffentlichte Umfragezahlen ließen mich einmal mehr stutzig werden: Im Zuge einer Kampagne der Europäischen Kommission zur Biodiversität, also Artenvielfalt, gibt eine Europabarometer-Umfrage darüber Auskunft, wie u.a. die Deutschen zu dem Thema stehen. Angeblich wissen 88 Prozent der Bundesbürger etwas mit dem Begriff Biodiversität anzufangen – während dies europaweit nur zu 38 Prozent der Fall ist. 

88 Prozent der Deutschen wissen also, was "Biodiversität" meint? Das glauben die Auftraggeber doch selber nicht! Ich behaupte dies nicht aus Arroganz, sondern weil ich aus jahrelanger journalistischer Erfahrung weiß, aus welchem Wissensreservoir der ganz normale Rezipient wirklich schöpft. Derartige Umfragen bringen: nichts. Im Gegenteil, sie vermitteln ein völlig falsches Bild über die Sichtweisen unseres Landes und sind höchstens Lenkstangen ihrer Auftraggeber.

Beispiel: Bundespolitik. Manchen sind möglicherweise das ZDF-Politbarometer oder der ARD-Deutschlandtrend ein Begriff. Mindestens jeden Monat werden in den zwei öffentlich-rechtlichen Hauptprogrammen neue Umfrage-Ergebnisse zur nachrichtentauglichen Ware erklärt und prominent veröffentlicht. Darunter findet sich auch immer eine Rubrik, die die Zufriedenheit der Bürger mit der Politik bestimmter Protagonisten darstellt. Diesen Politikern werden in den Umfragen Noten zugeordnet, sodass sich eine klare Rangordnung ergibt. Welche Aussage hat ein solches Ranking? Ebenfalls: keine! Denn sinnvollerweise müsste man an die Befragten eine zweite Frage hinterherschicken: Warum, bitte schön, geben Sie denn Herrn Guttenberg soundsoviel Punkte, Herrn Steinmeier soundsoviel Punkte und Herrn Schäuble soundsoviel Punkte? Jede Wette, dass kaum ein Befragter seine Entscheidung mit plausiblen Inhalten füllen könnte. Die Antworten auf diese zweite, viel wesentlichere Frage wären erschütternd!

Was heißt das? Dass sich Politik wie Medien von der Basis, ihren Wählern, ihrem Publikum, in obszöner Weise entfernt haben. Ein Vorschlag an die beauftragenden Institutionen: Sparen Sie sich die Demoskopie-Ausgaben und stecken Sie das Geld in aufklärende Bildungsinitiativen! Für die öffentlich-rechtlichen Sendern hieße das beispielsweise, Kernthemen, Kernthesen, Kernwörter breit und regelmäßig zu erklären. Wie in einem Glossar. Und nicht bloß im Internet. Sondern mitten im Programm. Nach dem Motto: "Anleitung für die Tagesschau".

Sie halten das für übertrieben? Machen Sie den Test, gehen Sie raus auf die Straße und fragen Sie in verschiedenen Stadtteilen zehn ganz normale Menschen nach vermeintlich einfachen Begriffen wie "Biodiversität", "Nachhaltigkeit" oder "Kopfpauschale". Es wird grausam werden.


03.04.2010 - Internationale Front gegen Klima-Manipulation
Warum wir dringend die Finger vom Geoengineering lassen müssen

Am 26. März ging in Kalifornien eine der fragwürdigsten und womöglich gefährlichsten Versammlungen der Erde zu Ende, die Asilomar International Conference on Climate Intervention Technologies. Selbsterklärte Experten aus allen Wirtschaftsbereichen der industrialisierten Welt sowie Dutzende Forscher berieten über ein Regelwerk, das Grundlage für eine globale Klimamanipulation sein soll. Klingt riskant, ist riskant. Denn der Klimawandel animiert inzwischen viele Firmen dazu, nach vermeintlichen Lösungsansätzen zu suchen, kommerziellen Lösungsansätzen selbstverständlich, deren Wirkungen bisher in völlig unzureichender Weise ergründet wurden. Vor allen Dingen chemisch will man der Erderwärmung beikommen. Die Methoden werden mit dem Begriff Geoengineering charakterisiert.

Die kanadische Nachhaltigkeitsorganisation ETC Group veröffentlichte völlig zurecht einen von rund 100 weiteren Organisationen unterzeichneten offenen Brandbrief an die Veranstalter der umstrittenen Konferenz:

"As civil society organizations and social movements working to find constructive solutions to climate change, we want to express our deep concerns with the upcoming privately organized meeting on geoengineering in Asilomar, California. Its stated aim, which is to «develop a set of voluntary guidelines, or best practices, for the least harmful and lowest risk conduct of research and testing of proposed climate intervention and geoengineering technologies,» is moving us down the wrong road too soon and without any speed limit.

Geoengineering refers to the large-scale technological manipulation of the climate and related systems through techniques such as putting sulphate aerosols in the stratosphere, fertilizing the ocean, and whitening the clouds. The priority at this time is not to sort out the conditions under which this experimentation might take place but, rather, whether or not the community of nations and peoples believes that geoengineering is technically, legally, socially, environmentally and economically acceptable." Den gesamten Appell lesen Sie hier.

Längst ist durch zahlreiche Erfahrungen der Menschheit bewiesen: Technologien, die außer Kontrolle geraten können, geraten außer Kontrolle. Es verbietet sich von selbst, in das globale Klima- und Ökosystem mit weiteren unnatürlichen Wahnsinnigkeiten einzugreifen. Unvorhergesehene Kettenreaktionen würden garantiert das gesamte System gefährden. Und selbst wenn reichlich geforscht würde: Geoengineering ist eine völlig abwegige Strategie, da sie wiederum nicht an die Wurzeln der aktuellen Probleme geht, sondern nur die Symptome eines grundfalschen Wachstumsstrebens beseitigt. Geoengineering plädiert eher für ein "Weiter so!" und wäre ein weiterer Beschleuniger des skrupellosen Turbokapitalismus.


25.03.2010 - Ist das TV-Talk-Karussell ein Perpetuum Mobile?
Die Süddeutsche Zeitung glossierte heute treffend die Gäste-Rotation in den deutschen Polit-Runden

Bravo! Heute hat mir die Süddeutsche Zeitung aus der Seele gesprochen. Auf Seite 9 hat man unter der Überschrift "Quasseltitanen" ein Team von zwölf Talkshowgästen zusammengestellt, ein Panoptikum, das die beliebtesten in die Politrunden geladenen Charaktere präsentiert. Darunter natürlich Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, Wirtschaftsexperte Hans-Werner Sinn oder der Experte der Küchenphilosophie, Richard David Precht.

Kritisiert wird in der Glosse die Wiederholung des Immergleichen in Form einer Gäste-Rotation, die einen nicht schwindelig werden, sondern viel eher einschlafen lässt. In dem begründenden Text wird spöttisch gefragt, "ob der geplante Gast auch noch eine fünfte Krawatte respektive eine fünfte Bluse hat, um den Anschein zu erwecken, er oder sie sei zwischen den einzelnen Talk-Terminen noch mal kurz zu Hause gewesen". Und weiter: "Dieses stets gleiche Bild schafft natürlich Verwirrung. Eine Orientierung gibt es aber: Wann immer jemand auf eine präzise Frage mit der Floskel antwortet "Zunächst möchte ich auf etwas anderes eingehen" und die Frage vergisst, dann ist man im deutschen Fernsehen – das diese Crux natürlich längst erkannt hat. Man arbeitet gerade daran, aus den meist gesehenen Gästen einen Idealgast zu klonen. Der könnte dann mit sich selbst reden."

Die SZ beschreibt hier exakt den Grund, aus dem heraus ich mein Visionärsbuch plante, recherchierte und schrieb. Mit der fantasielosen Diskussionskultur in Deutschland, und vor allem im deutschen Fernsehen, kann man nicht zufrieden sein. Das Desaster der Einseitigkeit beschreibt wunderbar im ersten Buchkapitel Visionär und Querdenker Jakob von Uexküll, der seit dem Finanzcrash im Herbst 2008 kein einziges Mal in einen Polittalk geladen wurde. In Anbetracht der sich weiterhin aufschaukelnden multiplen Krise ist die Ausgrenzung neuer, innovativer und grundsätzliche Paradigmen in Frage stellender Meinungen in den Massenmedien ein großer Mosaikstein der Krise selbst. Die Frage ist nur, ob diese Ausgrenzung aus einer Ideenlosigkeit im System Journalismus entstanden ist oder ob sie sogar gezielt gesteuert wird. Vorstellbar ist beides.


16.03.2010 - Auszeichnung für Bibi Russell
Die Visionärin wurde mal wieder geehrt – diesmal vom spanischen Königshaus

Eigentlich mag sie Auszeichnungen nicht. Und erst recht kann sie es nicht leiden, ihre wertvolle Zeit dafür zu investieren. Doch Bibi Russell hat mal wieder eine Ausnahme gemacht. Arturo Perez Martinez, spanischer Botschafter in Bangladesch, überreichte der sozial engagierten Modeschöpferin das "Cross of Officer of the Order of Queen Isabella". Begründung: "In recognition of your efforts to bring the two peoples of Spain and Bangladesh closer together."

Nach dem Ende ihrer Modelkarriere ist Russells Weg als Wohltäterin seit 1996 eng verknüpft mit zwei Nationen – Frankreich und Spanien. Die spanische Königin Sophia zählt zu den größten Förderern Russells.


15.03.2010 - Online-Plattform für eine nachhaltige Wirtschaft
Über die Innovationen in Gunter Paulis Blue Economy Community

Wessen Visionärshunger durch mein Buch noch nicht gestillt werden konnte, dem möchte ich im Internet die Blue Economy Community empfehlen. Die Plattform stellt regelmäßig ganz konkret und detailliert Innovationen vor und zur Diskussion. Sie wurde von dem Unternehmer und Autor Gunter Pauli initiiert.

Pauli steht im engen Kontakt mit dem Club of Rome. Über sein Selbstverständnis heißt es auf der Internetseite von Blue Economy: "Durch eine Vielzahl unternehmerischer Initiativen könnten wir über die nächsten 10 Jahre ein neues ökonomische Makromodell entwickeln, das Arbeitsplätze schafft, soziales Kapital aufbaut und Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit lenkt."



15.03.2010 - Die Skrupellosigkeit hat einen Namen
Sensationelle ARD-Doku: Wie der norwegische Lachs-Tycoon John Fredriksen den Tod nach Chile bringt

Und dann ist man doch froh, dass man TV-Gebühren zahlt... Denn die spektakulär erschreckende ARD-Dokumentation "Lachsfieber" ist auch eine Woche nach Erstsendung noch in der ARD-Mediathek anzuschauen (im Ressort Wissen & Kultur). Darin decken die Journalisten Wilfried Huismann und Arno Schumann die perversen Machenschaften des norwegischen Milliardärs John Fredriksen auf. Ihm gehört u.a. die Fischzuchtgesellschaft Marine Harvest. 100 Millionen Lachse mästet er pro Jahr im Süden Chiles, rund ein Drittel des Weltproduktion. Seine chemiegestärkten Kreaturen, unlängst von einem tückischen Virus heimgesucht, werden selbstverständlich auch in Deutschland verzehrt.

Teilweise, so die deutschen Autoren, seien die chilenischen Lachse so verseucht, dass die USA ein Einlieferungsstopp verhängt habe. Die betroffenen Fische landen nicht nur im Schredder, sondern vielfach auch auf chilenischen Märkten.
 
Spätestens nach Ansicht der Doku sollte man seinen gesamten Fischkonsum einer Inventur unterziehen. Denn offenbar steht Fredriksen sinnbildlich für die globale Krise, für Skrupellosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Verantwortungslosigkeit, Wachstumsglaube und Ausbeutung. Im Umfeld der Lachsfarmen inmitten Chiles traumhafter Natur gehört der Tod zum Alltag. Fische sterben, Taucher sterben, die Artenvielfalt stirbt, Strände und Unterwasserflora sterben... Skandalös: Der WWF hat mit Fredriksens Marine Harvest ein Bündnis geschlossen und erhält Zahlungen von dem Norweger.

Ein großes Lob an die Rechercheure! Ihre Dokumentation ist preisverdächtig. Was bleibt? Anschauen, weitererzählen, Zuchtlachs ächten und meiden sowie regelmäßig auf die Fischempfehlungsliste von bspw. Greenpeace schauen.


08.03.2010 - Kirchliche Verantwortung ist der kleinste erwartbare Nenner...
...denn die institutionalisierte Religion ist Mitverursacher der Krise. Kommentar zum Beginn der "Woche der Brüderlichkeit"

Gestern begann die fünfte christlich-jüdische "Woche der Brüderlichkeit", deren Motto in diesem Jahr der globalen Krisensituation angepasst ist: "Verlorene Maßstäbe". In Augsburg redete Bischof Heinrich Mussinghoff zum Auftakt und sagte am Schluss seiner Ansprache selbstkritisch:

"Doch wenn wir unserem Auftrag gerecht werden wollen, dürfen wir uns nicht in die Kirchen und Synagogen zurückziehen. Wir müssen vielmehr als Christen und als Juden auf den öffentlichen Plätzen präsent sein, uns an den öffentlichen Debatten beteiligen und das prophetische Erbe in den öffentlichen Diskurs einbringen. In unserer religiös und weltanschaulich pluralen Gesellschaft setzt dies voraus, dass wir unsere ethischen Überzeugungen in die säkularen Sprachen von Politik, Recht und Wirtschaft übersetzen und uns mit konkurrierenden Positionen auseinandersetzen. Wir müssen uns den Fragen nach dem Verhältnis von unternehmerischer Freiheit und staatlichen Regulierungen, nach ökologischen und sozialen Kriterien für Produktion und Konsum, nach Regeln für den Wettbewerb und für die Gestaltung der internationalen Finanzmärkte und nicht zuletzt auch den Fragen der Armutsbekämpfung stellen. Das wird uns gewiss nur im Dialog mit Wirtschafts- und Finanzexperten gelingen. Aber umgekehrt gilt eben auch: Eine dauerhafte Lösung der Wirtschaftskrise kann nur gefunden werden, wenn auch die Frage nach der Gerechtigkeit beantwortet wird."

Hätte er's nicht gesagt, hätte ich's gesagt. Denn gerade jetzt müssen die Kirchen wieder Gesicht zeigen. Das verlange ich als evangelischer Kirchensteuerzahler sogar. Und ich bin gespannt, wo die Herren Kleriker in den nächsten Wochen und Monaten ihre Meinungen kund tun und in die Debatte über die Krisenbewältigung eingreifen werden. Aber Meinungen reichen nicht. Auch die Kirche ist aufgerufen, Lösungen anzubieten. Beispielsweise zur Frage, wie sich Ethik und Moral gesetzlich und gesellschaftlich konkret implementieren lassen.

Und ich möchte noch einen zweiten Appell an die Kirchen in Krisenzeiten loswerden. Der Philosoph Prof. Ervin Laszlo, einer meiner Visionäre, fordert die institutionalisierten Religionen auf, zu ihren Wurzeln zurückzukehren und so den notwendigen Wandel mitzubedingen. Was meint er damit? Laszlo sagt: "Alle Religionen basieren auf Spiritualität. Alle ursprünglichen Einsichten der großen Propheten waren spiritueller Natur. Sie hatten noch die Verbindung zur Natur, haben deren Kräfte gespürt und versucht, ihr Erlebnisse in Worte zu fassen. Diese Erlebnisse wurden dann allerdings durch die Religionen von der ursprünglichen, inspirierenden Empfindung abgekoppelt. Was geblieben ist, sind oft leere Rituale und einseitge Lehren. Der direkte Zugang zu einer höheren Wirklichkeit bleibt den Priestern vorbehalten. Die Religionen müssten wieder mehr zurück zu den spirituellen Grundlagen, die sie bedingt haben."

Wären die Kirchen diesen sicher nicht zuerst von Ervin Laszlo im Jahre 2010 formulierten Forderungen rechtzeitig nachgekommen, hätte es höchstwahrscheinlich auch die Weltwirtschaftskrise nicht gegeben. Indem vor allem die christlichen Kirchen in den letzten Jahrhunderten die Trennung von Geist und Materie beschleunigten, um ihre eigene Macht zu sichern, tragen sie jetzt selbst große, fast vergessene Schuld an der Krise der durchmaterialisierten Gesellschaft. Kirchliche Verantwortung ist darum heute der kleinste erwartbare Nenner.


01.03.2010 - Der Glaube an Wunder ist ungebrochen
Eine Umfrage zeugt vom offenen Geist aller Generationen – zumindest in den USA

Das ist spannend: Eine gerade veröffentlichte Umfrage des Pew Research Centers, eines US-Meinungsforschungsinstituts, gibt Auskunft über den Wandel von religiösen und spirituellen Anschauungen innerhalb verschiedener Altersgruppen in den USA.

Antworten auf die Fragen nach der Häufigkeit von Gebeten oder Kirchgängen fielen wie erwartet aus. Die nachrückenden Generationen praktizieren die religiösen Rituale ihrer Eltern immer seltener. Überraschend aber sind die Antworten auf die Fragen nach religiösen wie übersinnlichen Phänomenen. So glauben 78 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an Wunder. Der Wert ist durch die Generationen hinweg mehr oder weniger stabil. Genauso wie die Werte zur Frage "Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?". 75 Prozent der jungen Befragten bejahten. Auch glauben 74 Prozent der gleichen Altersgruppe an den jenseitigen Himmel. Auch diese Werte sind bis in die Gruppe der über 65-Jährigen weitestgehend konstant.

Es könnte also doch mehr geben als das, was wir jeden Tag in unserem dreidimensionalen Alltag sehen und erleben. Das meint eine überwältigende Mehrheit der Befragten. Das gibt Zutrauen. Denn die immer noch dominierende konservative Wissenschaft behauptet das Gegenteil und versucht, nicht auf Anhieb zu erklärende Phänomene als Einbildung abzuqualifizieren. Doch spricht man mit frei denkenden und die Grenzen unserer Welt erforschenden Quantenphysikern, den offiziellen Erben Albert Einsteins und Werner Heisenberg also, dann wird schnell klar: Wunder gibt es, und man kann sie beweisen und sogar reproduzieren. Und auch eine Mehr-Dimensionalität ist für viele progressiven Wissenschaftler längst Standardwissen. Dieses neue Wissen muss nur massenwirksam publiziert werden.

Zuletzt: Hoffnungsvoll sind auch die Antwort-Häufigkeiten auf die Feststellungen "Die eigene Religion ist die einzige, die zum ewigen Leben führt" und "Viele Religionen führen zum ewigen Leben". 24 Prozent aller Befragten stimmen der ersten Behauptung zu. Aber 70 Prozent der zweiten. Weitere Details zur die Umfrage hier.


27.02.2010 - Die alten Energiefestungen bröckeln
Eine kleine Box aus Kalifornien soll den Strom-Crash verhindern

Die wirklich wahren Lösungen unserer Probleme liegen außerhalb der bisherigen Horizonte. Daher war einer der interessantesten Termine in der zurückliegenden Woche der Launch der Bloom Box in San Jose. Das Start-up-Unternehmen Bloom Energy glaubt, die Lösung des Energieproblems in den Händen zu halten, und präsentierte nun endlich seinen sagenumwobenen und von namhaften Repräsentanten wie Arnold Schwarzenegger oder Colin Powell unterstützten Brennstoffzellen-Stromgenerator.

Eine Bloom Box, die in der Lage sein soll, ein Einfamilienhaus mit Strom zu versorgen, hat die handliche Form eines rund 20 mal 20 Zentimeter großen Kubus. Der besteht aus speziell beschichteten und hintereinander geschichteten Keramikscheiben. 400 Millionen Dollar kostete die Entwicklung, zwischen 700000 und 800000 Dollar soll eine vorerst nur für die Industrie zur 100-Kilowatt-Anlage aufgemotzte Box heute kosten, Marktpreise für Normalverbraucher sollen nicht über 3000 Dollar liegen – in fünf bis zehn Jahren. Auf den Firmenarealen von Walmart, Fed Ex oder eBay laufen Bloom-Box-Anlagen bereits jetzt zu Testzwecken und sollen den Unternehmen bereits beträchtliche Summen eingespart haben.

Die Brennstoffzellen benötigten laut Firmengründer K.R. Sridhar keine teuren Materialen. Sie seien vergleichsweise günstig in der Herstellung und würden mit einem Input von Sauerstoff und beispielsweise regenerativen Energien zum Laufen gebracht. Der Output an Energie hingegen sei gigantisch.

Details liefern die Homepage von Bloom Energy und ein TV-Beitrag in "60 Minutes" (CBS), in dem auch Skeptiker zu Wort kommen.


24.02.2010 - Warnung vor Strom-Raubzug
Der Bund der Energieverbraucher klagt mit aktuellen Zahlen an

Eine Pressemitteilung des Bundes der Energieverbraucher verärgert, aber sie überrascht nicht. Fühlen wir doch seit Jahren, wie wir ausgenommen werden vom Energiekartell. Der Bund betitelt seine Meldung mit den Worten "Raubzug mit Strompreisen: Sechs Milliarden zusätzlich kassiert" und rechnet vor, wo unser Geld in den letzten drei Jahren versickerte.

"Die Strompreise für Haushalte haben sich durchschnittlich zwischen 2006 und 2009 um 3,75 Cent je Kilowattstunde erhöht. Verringert haben sich dagegen in diesem Zeitraum die Netzentgelte, und zwar um 1,5 Cent je Kilowattstunde", heißt es in dem Expertenpapier. Und weiter: "Die Stromerzeuger kassieren dadurch im Jahr 2009 von jedem Haushaltskunden für die Herstellung der gleichen Strommenge 94 Euro mehr als im Jahr 2006. Hinzu kommen 50 Euro, die darüber hinaus die Stromversorgungsunternehmen den Haushalten mehr abverlangen, unter Berücksichtigung geänderter Bezugskosten sowie Steuern und Abgaben. Im Klartext wurden diese 50 Euro zusätzlich verlangt, ohne dass dies durch Beschaffungskosten oder Steuern und Abgaben gerechtfertigt wäre. Jährlich bereichert sich die Stromwirtschaft dadurch zusätzlich um fast sechs Milliarden Euro."

Im Jahr 2010, so der Bund der Energieverbraucher, würde sich diese Fehlentwicklung fortsetzen. Das macht zornig, und mir fällt vieles ein, was man dagegen tun könnte, sofern die Politik untätig bleibt und diese Spirale nicht unterbricht. Das organisierte millionenfache Nicht-Bezahlen von Rechnungen – wie im Kleinen ja von einem überschaubaren Kreis von Stromrebellen schon praktiziert – wäre da noch die harmloseste Idee...


24.02.2010 - Käßmann, letzter Teil: Rücktritt
Die Bischöfin "folgte ihrem Herzen"

"Die Alkoholfahrt allein rechtfertigt keinen Rücktritt", kommentierte Heiner Bremer beim Nachrichtensender n-tv richtigerweise die neuesten Entwicklungen im Fall Käßmann und spekuliert, dass die öffentliche Häme-Kampagne gegen die Bischöfin diese letztendlich zum Abschied vom EKD-Chefamt gezwungen habe. Medienwissenschaftler Jo Groebel spricht hingegen von keiner Kampagne, stellt aber fest, dass die schonungslose Aufarbeitung des Vergehens Teil dieser Mediengesellschaft sei.

In der heutigen Pressekonferenz begründete Käßmann selbst ihre Entscheidung damit, ihrem Herzen gefolgt zu sein.

Welche positive Dimension können wir dem Vorfall nun abgewinnen? Höchstens die, dass eine Person, die noch Moral in ihren Knochen hat, in der Lage ist, selbst bei kleinen Vergehen, Konsequenzen zu ziehen, Macht abzugeben und den eigenen Skrupeln Taten folgen zu lassen. Damit wäre sie wieder ein Vorbild und Richtschnur für alle, die an ihren Ämtern kleben. Hoffen wir, dass Käßmann der Welt mit ihren Ansichten und Ratschlägen weiterhin zur Verfügung stehen wird.


24.02.2010 - Diese Frau hat nur getrunken, Leute!
Über die Unangemessenheit der Käßmann-Debatte

Ich muss nachlegen in Sachen Käßmann. Was ist das für eine Debatte? Was ist das für ein Land, das solche Debatten führt? Die Medienmeute stürzt sich auf die Landesbischöfin Margot Käßmann, die betrunken am Steuer erwischt worden war. Amtskollegen werden mit Suggestivfragen gelöchert, Straßenumfragen werden gemacht, und die Leute in der Fußgängerzone legen ihr den Rücktritt nahe. Von Vorbildfunktion ist immer wieder die Rede. Zur Erinnerung: Hier hat jemand einen über den Durst getrunken und keine Kinder missbraucht oder schwarze Konten angelegt.

Wären all die bereits zurückgetreten, die sich wirklich versündigt haben, wären die deutschen Parteien führungslos, wäre die katholische Kirche ohne Kopf, wären weltweit Hunderte Unternehmen ohne Steuermann. Also führen wir bitte eine angemessene Debatte. Ohne Schadenfreude, ohne Häme, ohne Skandalisierung, ohne Doppelzüngigkeit.

Es ist gut, dass sich die evangelische Kirche unverzüglich an die Seite ihrer ersten Frau gestellt hat. Denn auch Margot Käßmann ist eingeschlossen in den Vergebungsmodus – allemal bei derartigen Vergehen.


23.02.2010 - Skandalisierungwut beim ZDF
Der Fall Käßmann in den heute-Nachrichten

Von einer "Alkoholfahrt, ausgerechnet in der Fastenzeit" war die Rede. Und dann zählte der Autor auch noch ab, wie viel Wein und Bier Landesbischöfin Margot Käßmann getrunken haben muss, um auf über 1,5 Promille Alkohol gekommen zu sein. Dieser derart inszenierte Nachrichtenbeitrag über die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, die betrunken am Steuer erwischt worden war, wurde nicht etwa bei RTL oder ProSieben gesendet – sondern vorhin um 19 Uhr bei heute im ZDF.

Das soll nur ein kleines Beispiel sein für die zuweilen unsachliche und boulevardeske Skandalisierungswut selbst bei den öffentlich-rechtlichen News-Formaten. Der Skandal um Jürgen Rüttgers kam in der gleichen Sendung vor. Okay. Der Skandal um die Berliner S-Bahn war ebenso dabei. Auch noch okay. Aber muss es denn überdies die fehlbare Klerikerin sein, die getrunken hat? Nachrichtenwert in Zeiten der größten globalen Krise stelle ich mir anders vor.


23.02.2010 - Auf der Suche nach unentdeckten Energiequellen
Wie Solar-, Wind- und Wasserkraft um weitere nachhaltige Stromquellen ergänzt werden können

Bislang glauben wir, dass Windenergie, Solarenergie und Energie aus Wasserkraft das Non-Plus-Ultra der nachhaltigen und emissionsfreien alternativen Stromquellen seien. Sie sind zukunftsträchtig und müssen weiter ausgebaut werden, keine Frage. Aber könnten wir uns auch mit dem Gedanken anfreunden, dass es vielleicht weitere Energieformen gibt, die sogar noch probater sind, Energieformen, die Strom fabrizieren, unabhängig von Tageszeiten und Witterung?

In meinem Buch berichte ich von dem Schweizer Ehepaar Schneider, dass sich seit Jahrzehnten für die Gewinnung freier Energie aus dem Äther einsetzt. Obwohl rund um den Globus seit 100 Jahren an dieser Technik geforscht wird, gelang der Durchbruch bisher nicht. Warum? Ich erwähne in dem Kapitel über die Schneiders ein Gespräch eines Freie-Energie-Entwicklers mit einem hochrangigen Stromboss. Der soll laut des Erfinders in etwa gesagt haben: "Wir wissen von der freien Energie. Und wir wissen wir auch, dass wir sie nutzen können. Aber diese Technik heben wir uns auf für die Zeit danach." Für die Zeit danach? Was für eine zynische Aussage.

Aktuell ist von einer weiteren innovativen Energiequelle zu lesen. Französischen Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, die chemische Energie, die beim Prozess der Photosynthese frei wird, in Strom umzuwandeln. Sie setzten eine neu entwickelte biologische Brennstoffzelle in die dicken, ledrigen Blätter eines Kaktus. Wurde das Blatt beleuchtet, stieg die Energieproduktion an. Die Resultate ihrer Versuche veröffentlichten die Forscher in dem Fachmagazin Analytical Chemistry.


17.02.2010 - Wie schaffen wir sozialen Patriotismus?
Was Sigmar Gabriel beim politischen Aschermittwoch der SPD forderte, muss in Gesetze gegossen werden

Vor wenigen Minuten hielt SPD-Chef Sigmar Gabriel seine Rede zum politischen Aschermittwoch. Darin nannte er einen wichtigen Begriff: Sozialen Patriotismus. Was meint er damit? Dass die Menschen und die Unternehmen, die durch die Demokratie ihres Landes Erfolgskarrieren hinlegen konnten und wohlhabend geworden sind, auch soviel Anstand haben müssen, diesem Staat in der Krise etwas zurückzugeben.

So wie Gerhard Schröder im Jahre 2000 nach dem antisemitischen Anschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge einen "Aufstand der Anständigen" forderte, so gilt gleicher Appell auch heute mit Blick auf unser Sozialsystem.
Findet dieser Bewusstseinswandel nicht statt, Vermögensteile erfolgreicher Firmen, wohlhabender Familien und Bestverdiener in unser Sozialsystem rückzuleiten, muss der Verantwortung auf die Sprünge geholfen werden. Durch die Schaffung derartiger Gesetze. Dies hätte in keinster Weise etwas mit dem hierzulande gerne verwendeten Schreckenswort der Enteignung zu tun. Denn es geht hier lediglich um ein staatliches Mittel, finanzielles Sozialengagement wieder zu beschleunigen. Diese neuen Sozialgesetze müssten Gelder ausschließlich und kontrolliert Sozialsystem und Bildungssystem zu Gute kommen. Nur so kann sich die Kluft zwischen Arm und Reich langfristig wieder schließen.

Vergessen wir nicht, dass inzwischen 11,5 Millionen Deutsche in Armut leben, rund ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren. 2,5 Millionen Kinder sind von Armut betroffen und drei Millionen Rentner – Tendenz weiter steigend. Jüngste Erhebungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung schlagen vor allem bei den jungen Generationen Alarm: Danach leben 25 Prozent der 19- bis 25-Jährigen unterhalb der Armutsgrenze.

Wäre es nicht auch denkbar, dass neben dem rein finanziellen – also anonymen – Engagement, ein direktes zwischenmenschliches aufgebaut werden könnte? Wäre es nicht denkbar, so etwas wie eine persönliche Fürsorge von Familie zu Familie ganz offiziell zu implementieren, um wieder ein Netz zwischen Arm und Reich, zwischen Oben und Unten zu stricken und ein auseinanderstrebendes Volk wieder zusammenzuführen? So etwas würde ich unter sozialem Patriotismus verstehen.


16.02.2010 - Grün schimmert es nur aus der Ferne
Die taz blickt auf und unter den grünen Rock von Herrn Röttgen

Nachtrag zur vorletzten Blog-Notiz über den Bundesumweltminister. Heute ist das Schwerpunktthema auf Seite 3 in der taz zu empfehlen. Hanna Gersmann und Malte Kreutzfeldt beschäftigen sich dort mit der Glaubwürdigkeit von Norbert Röttgen und schaufeln ein wenig Hintergrund in die Debatte um den plötzlich ergrünten Schwarzen.

So berichten sie davon, dass Röttgen nicht nur hochintelligente und nachhaltig denkende Fachleute (mitunter mit grünem Parteibuch) in seinem Ministerium umsetzt, versetzt und dafür Verwaltungsstrategen auf den Posten platziert. Die taz-Redakteure berichten auch darüber, dass Röttgen viele Antworten schuldig bleibt. Wie soll denn genau sein Atomausstieg aussehen? Ist der wirklich so grün wie sein Image ist? Wohl nicht. In seinen Atom-Adieu-Szenarien spricht er von Laufzeitfristen. Nur können die immer neu verhandelt werden. Und er nennt eben keine Strommengen. "Drosseln die Betreiber nun die Produktion oder fahren sie zwischendurch ganz runter, verlängert sich die Laufzeit", schreibt die taz. Das Risiko eines GAUs würde uns also die nächsten Jahrzehnte weiter begleiten.


15.02.2010 - Zerbrechen hinterm Bankschalter
Die Unmoral der Kundenberater oder die Frage nach einem einheitlichen Moralfahrplan

Ein beeindruckender Radio-Beitrag gestern abend auf "NDR Info": Eine ehemalige Leiterin einer Bankfiliale berichtete von ihrem täglichen Job, den sie bis kurz vor dem Finanzcrash ausübte. Täglich sah sie sich gezwungen, höchst unseriöse Anlageprodukte an ihre Kunden zu bringen. Ihr Gehalt bezeichnete sie als Bestechungsgeld, ertrug die Verlogenheit nicht mehr und quittierte freiwillig. Heute berät Christina Kirchmann, so heißt die Dame, nur noch im privaten Rahmen und lässt sich allein von der Aufrichtigkeit leiten. So empfiehlt sie ihren Kunden beispielsweise Bundesschatzbriefe als sichere Anlageform. Damals, in ihrem alten Job, so erzählte sie im Radio, sei es quasi verboten gewesen, Bundesschatzbriefe zu empfehlen.

Obwohl die Machenschaften, die zur Finanzkrise führten, bereits vielfältig ausgelotet wurden, treffen mich diese persönlichen Geschichten immer noch ins Mark. Vor wenigen Tagen sprach ich mit einem Steuerberater, der ebenso abstoßende Storys aus der Bankenwelt erzählte. Bereits die jungen Auszubildenden würden auf Verkaufsgespräche getrimmt, nichtsahnenden Anlegern die riskantesten Zertifikate unterzujubeln. Nur um die betrieblichen Zielvorgaben zu erfüllen und neben Provisionen auch die berufliche Sicherheit zu erschwindeln. Und das Erreichen oder Verfehlen der Zielvorgaben, so wurde mir berichtet, würde – bis heute – nicht monatlich oder wöchentlich abgeglichen, sondern täglich. Heißt: Die Skrupellosen dienen als Vorbild und diejenigen, die noch in der Lage sind, Unrecht zu empfinden, werden gebrochen und laufen ins Lager der Unmoral über – oder sie bleiben auf der Strecke. Mit welchen Gefühlen muss ein sensibler Mensch mit Anstand jeden Morgen zu seiner Bankfiliale fahren?

Dieser Geschäftskultur entkommen wir nur mit einer rigorosen Veränderung von Bildung, Ausbildung, Ausbildern und Ausbildungsplänen. Ich hörte neulich davon, dass ein Banker vorschlug, Finanzwissen bereits in den Schulunterricht einzuführen. Ja, was für ein irrwitziger Vorschlag! Das Gegenteil muss passieren. Wir brauchen Ethikunterricht, Moralkunde und Seelenfürsorge. Und zwar kontinuierlich und in allen Altersgruppen. Was spräche dagegen, eine von der Bundeskanzlerin eingesetzte unabhängige Kommission damit zu beauftragen, einen solchen Moralfahrplan für alle Arten von Kindergärten, Schulen, Universitäten und Ausbildungsbetrieben zu erstellen? Was spräche dagegen, diese "Anleitung fürs Gutsein" in jedes Curriculum einzusetzen? Was spräche dagegen? Wieder einmal ist die Antwort: nichts!


14.02.2010 - Wie glaubwürdig ist Norbert Röttgen?
Anti-Atom-Vorstoß zwischen Bewunderung und Misstrauen

Seit Tagen frage ich mich, um was es Umweltminister Norbert Röttgen tatsächlich geht. Der CDU-Mann hatte sich weit über den Koalitionsvertrag hinaus gewagt und dafür plädiert, den Ausstieg aus der Atomenergie zu forcieren. Damit brachte er die eigene Partei gegen sich auf. Vor allem Umweltminister aus Atomländern wie Bayern oder Baden-Württemberg.

Eigentlich schlimm, dass man jemandem mit Misstrauen begegnet, der es doch eigentlich gut meint. Aber meint er es gut? Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass der Röttgen-Vorstoß und die entrüstete Gegenrede aus den eigenen Reihen nicht mehr ist als eine Finte, als ein strategischer Plan. Politik ist ein schmutziges Geschäft, und es ist ein Kinderspiel, solche innerparteilichen Schlachtplätze binnen weniger Tage künstlich zu eröffnen, um – in diesem Falle – Wähler aus dem Ökolager herüberzuziehen. Schließlich müsste sich Röttgen zuletzt geschlagen geben und entschuldigend mit den Schultern zucken nach dem Motto: "Sorry, Leute, ich hab's probiert! Aber wie ihr seht, das alte Denken war stärker."

Bleiben wir aufmerksam!


11.02.2010 - Wohlstand verpflichtet!
Wie drei Männer ihre Millionen plötzlich zu den Armen der Welt umleiteten

Ein Mann verkauft seine sechs Segelflugzeuge und seinen Luxusschlitten. Bald will er auch sein Domizil in der Provence abgeben. Und gerade ist er dabei, seine riesige Alpen-Villa zu verlosen. 21999 Lose für je 99 Euro will er an den Mann bringen. Jetzt kommt's: Sämtliche eingesammelten Millionen sollen für Mikrokredite in Lateinamerika verwendet werden.

Diese Geschichte schrieb der britische Telegraph, was wiederum Spiegel Online eine Story wert war. Der Auslöser für die Berichterstattung ist ein Österreicher. Karl Rabeder. Er war Lehrer und wurde reich mit einer Firma für Kunsthandwerk. Jetzt will er sein Vermögen loswerden und sagt: "Ich möchte, dass am Ende nichts übrig bleibt. Absolut nichts. Geld ist kontraproduktiv. Fürs Glück ist es hinderlich."

Profitieren sollen nun die Armen Südamerikas. Mit der finanziellen Minimal-Unterstützung werden sie in die Lage versetzt, sich aus eigenen Kräften eine neue Perspektive aufzubauen. Hilfe zur Selbsthilfe eben. Mikrokredite wurden von dem Ex-Banker und Ökonomie-Professor Mohammad Yunus aus Bangladesch erfunden. Er bekam dafür den Friedensnobelpreis.

Er habe sich aus der eigenen Armut herausgearbeitet und lange Zeit geglaubt, dass das ständige Anhäufen von Geld und Luxus glücklich machen würde, sagt Gutmensch Rabeder. Irgendwann sah er sich nur noch in einer Sklavenrolle, schmiss hin und folgte seinem Herzen. Bald will er sich mit einer kleinen Wohnung in Innsbruck begnügen.

Rabeders Lebensweg erinnert stark an das Schicksal vom Multimillionär Hermann Ricker, das ich im letzten Kapitel meines Buches schildere. Auch er sagte dem Mammon Lebewohl, verschenkte sein Vermögen und ging als Bettelmönch nach Thailand. Heute heißt er Han Shan.

Eine dritte Person, die ein ähnliches Bewusstsein in sich trägt, ist der brasilianische Öl-Multi Roberto Batista, über den das ZDF-Magazin Aspekte im Januar berichtete. Er verdiente sein Reichtum zwar durch Bodenschätze, die er aus den Tiefen unter seiner Heimat holen ließ. Doch im Gegenzug hat er riesenhafte Regenwald-Schutzgebiete eingerichtet und engagiert sich für die lokale Bevölkerung. Ein Zitat Batistas hat mich umgehauen. In der TV-Reportage sagt er:

"Wenn man ein bestimmtes Niveau an Wohlstand erreicht hat, gehört einem der Wohlstand nicht mehr. Er gehört dann der Gemeinschaft. Du bist nur der Wächter der Wohlstands. Du hast Glück, du bist privilegiert, weil du den Wohlstand in deinen Händen hältst, aber du hast die moralische und die geistige Pflicht, Gutes zu tun."

Ich sage: Diese moralische Pflicht sollte von unseren Regierungen in die Gesetze geschrieben werden! Was hindert uns eigentlich daran, dieses Grundgesetz verbindlich zu machen? Wenn wir ehrlich sind: nichts.


11.02.2010 - Junge Autorin, altes Denken
Warum ein Skandalroman und seine Schreiberin an Charakterlosigkeit nicht zu überbieten sind

Die Kritik überschlug sich, als Ende Januar der Roman "Axolotl Roadkill" der 17-jährigen Helene Hegemann erschien. Der Erstling eines vermeintlichen Wunderkindes, der aus dem Leben eines wohlstandverwahrlosten, derangierten und aufbegehrenden Teenagers berichtet und mit seinem Vokabular an Charlotte Roches Fäkalerfolg "Feuchtgebiete" anknüpft. Aber dies hier soll gar keine literarische Besprechung werden. Denn das ist reine Geschmackssache.

Hier soll es um Menschen wie Hegemann gehen. Denn vor wenigen Tagen kam heraus, dass dieser so gelobte Superroman wohl in Teilen durch die Copy-and-Paste-Technik hergestellt wurde. Heißt: textliche Plagiate, wohin man sieht. Ein Blogger hatte den literarischen Klau bemerkt und aufgedeckt.

Da lässt sich also offenbar eine junge Frau von Kritik und Szene feiern und schmückt sich und verdient mit fremden Lorbeeren. Stimmen die erdrückenden Vorwürfe, brächten sie mich an die Decke. Zeugt diese Praktik doch von einem Denken, das mir zutiefst zuwider ist. Es ist egozentrisch, es ist rücksichtslos, es ist maßlos, es ist asozial. Adjektive, die uns exakt in diese globale Krise geführt haben.

Umso erschreckender, dass sie weiterhin kultiviert werden von einer im Rampenlicht stehenden Angehörigen der jungen Generation. Und umso unverständlicher, dass Hegemann weiterhin für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert bleibt – anstatt entlang moralischer Aspekte vom Hof gejagt zu werden.

Aber es geht eben auch anders: Ich empfehle das Visionärs-Kapitel über das tatsächliche Wunderkind Bilaal Rajan. Völlig uneitel und uneigennützig engagiert sich der heute 13-jährige Kanadier seit seinem vierten Lebensjahr für die Entrechteten, Benachteiligten und Vergessenen dieser Welt. Rajan steht für das neue Denken! Hegemann ist von gestern!

P.S.: Nachtrag zu später Stunde. Harald Schmidt spöttisch zu Helene Hegemann, die am 11. Februar in seiner Sendung einen eher unsympathischen Auftritt hinlegte: "Ich glaube, Du wirst einen Bambi kriegen." 


08.02.2010 - Zur einseitigen Selektion von Nachrichten
Zum 13. Mal haut eine Initiative den Meinungsmachern auf die Finger

Ich appelliere in meinem Visionärs-Buch an den Mut eines jeden Lesers, Bürgers, Wählers sich zu neuen Horizonten aufzumachen, blind Akzeptiertes in Frage zu stellen und sich nicht zufriedenzugeben mit dem Status Quo. Die Medien spielen eine erhebliche Rolle für unsere Bewusstseinsbildung und geben in Anbetracht ihrer Menge und Reichweite nur jämmerlich kleinen Anlass, von außen neue Themen in sein Leben zu integrieren.

Seit 1997 kümmert sich die Initiative Nachrichtenaufklärung um Themen, die von der gemainstreamten Medienmaschinerie regelmäßig vernachlässigt und ignoriert werden. Vor ein paar Tagen veröffentlichte eine Jury aus Kommunikationswissenschaftlern und Journalisten (u.a. mit Gründer Prof. Dr. Dr. Peter Ludes) folgende missachtete Problemstellungen im zurückliegenden Jahr 2009:

1.) Notstand im Krankenhaus – Pflegebedürftige allein gelassen
2.) Psychiatrie – Bundesregierung biegt UN-Konvention zurecht
3.) Kriegsberichterstattung lenkt von zivilen Friedensstrategien ab
4.) Rechtswidrige Anwendung von Polizeigewalt
5.) Lücken der Finanzaufsicht bei Kirchen
6.) Mangelhafte Deklarierung von Jodzusatz in Lebensmitteln
7.) Patente auf menschliche Gene und Gensequenzen
8.) Schulen für Gehörlose unterrichten keine Gebärdensprache
9.) Mangelnde Kontrolle deutscher Rüstungsexporte
10.) Sondermüll beim Bauen und Sanieren

Die Themen nähren sich aus den Einsendungen engagierter Staatsbürger. Die zehn Probleme kommentieren – wie man sieht – die Unzulänglichkeiten in der deutschen Berichterstattung. Man kann sich vorstellen, dass es auf globaler Ebene ähnlich abläuft – nur mit entsprechend verheerenderen Konsequenzen.



06.02.2010 - Der Autor zu Gast bei Fliege
Warum ein Buch über Visionäre? Verantwortung und Unzufriedenheit!

Seit gestern ist mein Auftritt bei Jürgen Fliege auch im Internet anzusehen – ein halbstündiges Gespräch über Medienkritik, Fundorte für Visionen und die Notwendigkeit eines Bewusstseinswandels.





03.02.2010 - Erinnerungen an George Harrison
Visionärsgespräch mit seiner Freundin Astrid Kirchherr

Zwischen Inhaltsverzeichnis und Vorwort meines Visionärs-Buches habe ich zwei Zitate platziert. Eines von Albert Einstein. Eines von George Harrison. Der Beatle sagte: "Ich bin ohne Grenzen. Wir alle haben keine Grenzen." Diesen Satz finde ich fantastisch, denn er spiegelt genau den Grundtenor des Buches. Wir begrenzen uns selber viel zu sehr und haben uns mit unserem doch sehr einseitigen Weltbild abgefunden. Dabei bietet das mit einem offenen Bewusstsein gelebte Leben viel mehr – und folglich auch viel mehr Lösungsalternativen für unserer Probleme.



Heute habe ich meiner lieben Freundin Astrid Kirchherr einen Besuch abgestattet und ihr ein Exemplar des Visionärs-Buches mitgebracht. Die Fotografin war sehr eng mit George Harrison befreundet – bis zu seinem Tode im November 2001. Sie schätzte – wie ich selbst auch – die spirituelle Tiefe Harrisons und die weisen Botschaften seiner Musik. Sie zeugten – und zeugen immer noch – von einem erleuchteten Geist, kritisierten das materielle Streben des Westens und dessen Manipulationsmechanismen und beschrieben die Suche nach Gott.

Unschlagbar der Text des Titelsongs "Brainwashed" seines letzten Albums: "Brainwashed in our childhood, brainwashed by the school, brainwashed by our teachers, and brainwashed by all their rules, brainwashed by our leaders, by our kings and queens..."

Auch George Harrison war ein Visionär – möglicherweise der größte Visionär der Musikwelt.



02.02.2010 - Uexkülls Arbeit trägt Früchte
Der Weg für einen Green New Deal scheint frei

Visionär Jakob von Uexküll ist einem seiner Ziele, dem Green New Deal, ein gutes Stück näher gekommen. Der Gründer des World Future Councils stieß mit einem innovativen Vorschlag zur Finanzierung des Klimaschutzes beim Internationalen Währungsfonds (IWF) endlich auf offene Ohren.  Dominique Strauss-Kahn, Chef der Behörde, schlägt vor, einen "grünen Fond" von rund 100 Milliarden Dollar pro Jahr für den Kampf gegen die Erderwärmung einzurichten.

Die Geldschöpfung soll durch Sonderziehungsrechte bewerkstelligt werden. Das Sonderziehungsrecht ist eine virtuelle, nicht frei gehandelte Währung, die bei Notsituationen von Finanzsystemen verwendet wird. Jakob von Uexküll nennt diesen Green New Deal, die "wohl größte unternehmerische Chance aller Zeiten". Details dazu stehen im Uexküll-Kapitel in "Die wahren Visionäre unserer Zeit", die Homepage von Uexkülls World Future Council finden Sie hier.


01.02.2010 - Herz und Moral als Fundament in Politik und Wirtschaft
Wie bekommen wir die Goldene Regel in alle Bereiche unseres Lebens? Vom Erzbischof Marx zum Philosophen Laszlo

Heute hängengeblieben ist ein Interview auf Seite 10 der Printausgabe der Welt mit Erzbischof Reinhard Marx. Die Journalisten Jörg Eigendorf und Miriam Hollstein sprachen mit dem katholischen Kirchenmann über Wege aus der Finanzkrise. Marx erörterte, wie die Bibel Hilfestellung leisten kann:


"Das neue Testament kennt den Kapitalismus natürlich nicht. Aber Jesus ist nicht grundsätzlich gegenüber dem Reichtum kritisch, sondern er fragt nur zu Recht: Wo ist dein Herz? Deshalb bin ich auch gegen das Wort Kapitalismus. Denn er stellt das Kapital ins Zentrum. Das akzeptiere ich nicht. Der Mensch muss im Zentrum stehen, das Kapital muss ihm dienen. Dann sind wir bei der sozialen Marktwirtschaft."

Und später bemerkt er:

"Die zehn Gebote sind eine Anleitung zu einem guten Leben. Sie einzuhalten ist hoch vernünftig und ökonomisch sinnvoll, denn sie führen zu nachhaltigem Verhalten. Mich hat immer die Behauptung geärgert, Märkte seien moralfrei."

Marx sagt in dem Interview weiter: "Ein Bankberater, der ein Finanzprodukt verkauft, müsste die Frage stellen, ob er dieses unter vergleichbaren Umständen auch selbst kaufen würde."

In dieser Aussage liegt die moderne Adaption der Goldenen Regel aus Jesu Bergpredigt. Sie zitiere ich im Visionärskapitel über Aldo Berti: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!" Interessant ist, dass diese elementarste aller Regeln, Bestandteil eines jeden Glaubensmanifests ist. Beispiele gefällig?

Im jüdischen Talmud heißt es: "Was Dir weh tut, tue keinem anderen an." Im hinduistischen Mahabharata steht: "Dies ist die Summe aller Pflichten: Tue keinem anderen das Leid an, was bei Dir selbst Leid verursacht hätte." Der Islam weiß: "Keiner von euch ist ein Gläubiger, solange er nicht das für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst gewünscht hätte." Es könnten noch unzählige andere Beispiele folgen. Selbstverständlich, dass auch die sogenannten indigenen Religionen die Goldene Regel in ihrer jeweiligen Form kennen.

Die große Frage ist also, wie wir es schaffen, von dieser einen Goldenen Regel alles andere abzuleiten? Als ich mit dem Philosophen meines Buches, Ervin Laszlo, über diese Frage diskutierte, waren wir uns einig. Ich stellte den provokanten Begriff einer "Diktatur des Göttlichen" in den Raum – wobei "göttlich" alle Glaubensrichtungen einschließt und nicht im Sinne von "Gottesstaat" gedeutet werden darf. Laszlo fand diesen Begriff nicht schlimm. Er griff ihn auf und sagte: "Ich stelle mir eine weise, von Philosophen und spirituell denkenden Wissenschaftlern geleitete Diktatur auf der Grundlage eines übernationalen Verfassung vor. So wie Platon es sich gedacht hat." Laszlo führt diesen Gedanken weiter aus in dem entsprechenden Kapitel in "Die wahren Visionäre unserer Zeit."


01.02.2010 - Wiederbelebung der Demokratie
In Berlin gründete sich das Institut Solidarische Moderne

Visionär Jakob von Uexküll hält politisches Engagement für unabdingbar im Kampf um eine Welt in Nachhaltigkeit. Passend dazu entstand am vergangenen Wochenende in Berlin das Institut Solidarische Moderne. Die überparteiliche Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Alternativen zum krisenverursachenden Neoliberalismus anzubieten. Die politische Denkwerkstatt will nun demokratische Reformprojekte erarbeiten.

Zu den Gründungsmitgliedern zählen u.a. der Journalist Franz Alt, SPD-Sozialexperte Rudolf Dressler und Katja Kipping, Vize-Chefin der Linken. Im Gründungsaufruf heißt es:

"Der nationale wie globale Neoliberalismus profitiert von politischer Enttäuschung und sozialer Apathie, von "Parteiverdrossenheit" und widerspruchslosem Privatismus, wo es um die aktive Mitwirkung an der Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse geht. Es gehört zum Alltagsgeschäft neuliberaler "Modernität", die politische Rat- und Tatlosigkeit der Bürger und Bürgerinnen zu beklagen – und sie gleichzeitig zu befördern. Neoliberale Politik lebt von gesellschaftlicher Lethargie, politischem Desinteresse, sozialer Demobilisierung, demokratischer Enthaltsamkeit, kurz: von der Leblosigkeit der Demokratie.

Wo setzen wir an?

Zur politischen Verwirklichung von Werten wie Freiheit und Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität, Autonomie und Partizipation ist eine lebendige Demokratie unerlässlich. Diejenigen, denen diese Werte zweitrangig sind, können auf eine demokratische Gestaltung der Gesellschaft und zumal auf die soziale Demokratie – und das heißt auch auf einen Staat, der die Lebenschancen und Selbstentfaltungsrechte aller Bürgerinnen und Bürger garantiert – im Zweifelsfall verzichten. Sollen solche Werte jedoch gesellschaftlich realisiert werden, so gilt es zuallererst, die Demokratie wiederzubeleben und in demokratischer Selbstbestimmung Alternativen zum Bestehenden zu denken."



01.02.2010 - Vorbild französische Revolution?
Über die Rolle der Medien in Krisenzeiten – damals und heute

Ich frage mich, warum die hoch interessante Serie "Wissen für alle" des Mainzer Historikers Rolf Reichardt gerade jetzt, im Februar 2010, bei Spiegel Online zu lesen ist. Es geht darin um einen ganz speziellen Teilaspekt der französischen Revolution – nämlich die Rolle der Medien. Sie waren in der Lage, mit einem nie dagewesenen publizistischen Aufbegehren das Bewusstsein der Masse zu verändern.


Reichardt schreibt: "Diese Umwälzung war das größte Medienereignis seit den Tagen der Reformation. Die im Druck vervielfältigten Pamphlete und Zeitungen, Bild- und Liedflugblätter, Plakate und Medaillen waren beides zugleich: treibende Kraft und Erzeugnisse des Geschehens. An politischen Traktakten und Journalen, Bildsatiren und Spottliedern hatte es zwar schon im vorrevolutionären Frankreich der Aufklärung gefehlt; sie hatten sich aber in erster Linie an ein gebildetes Publikum gerichtet und waren von der Zensur oft in den Untergrund gezwungen worden. Anders 1789: Die Abschaffung der Zensur und die neue politische Freiheit der Bürger entfesselten eine nie zuvor gekannte Flut revolutionärer und anti-revolutionärer Publizistik. (...) Indem diese Publizistik vor allem die breite Bevölkerung ansprach, trug sie viel dazu bei, die Anhänger und Gegner der Revolution zu mobilisieren und in eine permanente öffentliche Debatte zu ziehen."

Noch einmal die Frage: Warum jetzt so eine Abhandlung?

Nicht wissend, ob die Veröffentlichung von Spiegel Online so intendiert war, ist die Antwort für mich klar: Sollten, könnten wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, eine ähnliche publizistische Revolution ein weiteres Mal zu initiieren? Sie erscheint mir jedenfalls dringend notwendig. Genau dafür plädiere ich im Vorwort meines Buches. Ich appelliere an den freien Geist und die Verantwortung eines jeden Journalisten. Erinnern wir uns an unseren Grundauftrag: Was wollten wir erreichen? Warum haben wir uns einmal für diesen Job entschieden? Um selbstzufrieden in den Redaktionen zu sitzen und gemütlich alten Klüngel und altes Denken zu pflegen? Oder um mit neuen Debatten Gesellschaft zu gestalten und uns für Gerechtigkeit und Aufklärung einzusetzen?

Vielleicht gibt es auch andere, die sich schon gefragt haben, warum bei den aktuellen Zuständen niemand dauerhaft auf die Straße geht? Wie leidensfähig sind wir? Ist es das mediale Dope, das Millionen Rezipienten in eine Art Wachkoma geschickt hat? Oder geht es uns immer noch zu gut? Möglicherweise gelingt so etwas wie eine Aufklärung 2.0 in Kombination mit einem breiten öffentlichen Engagement für alte Werte und neue Ideen durch eine konzertierte Mobilmachung über Internet und gedruckte Gratis- bzw. Billigpublikationen. Halten wir den Gedanken im Hinterkopf.




01.02.2010 - Kurzer Nachtrag zu Davos – Das sagt die Ökonomie-Intelligenz
Joseph Stiglitz und Kenneth Rogoff in großer Sorge

Visionär Joseph Stiglitz (Columbia University) und sein Ökonomie-Kollege Kenneth Rogoff (Harvard University) malten in Davos kein gutes Bild von der aktuellen wirtschaftlichen Situation. Wir würden in einer "Illusion von Normalität" stecken, sagte Rogoff und prognostizierte gerade für die Generation der Mittdreißiger in Deutschland eine grausame Zukunft, bestimmt von geringem Wachstum, drastischem Sparen und erheblichen Steuererhöhungen.


Ob es zu einem zweiten Finanzcrash kommen wird, diskutierten Stiglitz und Rogoff im Studio der Nachrichtenagentur Reuters.


30.01.2010 - Ein griechischer Hafen wird Chinese
Wie die Globalisierung ganze Staaten plündert

Ein Parade-Beispiel für die Schattenseiten der Globalisierung vorhin im Europamagazin der ARD. Dort wurde berichtet, dass die griechische Regierung zur Haushaltssanierung den Hafen von Piräus an chinesische Investoren verkauft hatte. Was passierte natürlich? Massenentlassungen. Und die Abfindungen zahlt der Staat. Nur ein Aspekt des aktuellen Gesundheitszustands des europäischen Sorgenkindes.


Derartige Meldungen sind fast schon zur Routine geworden. Trotzdem bringen sie mich immer wieder in Rage. Weise Worte zum Privatisierungswahn äußert Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz in meinem Buch. Und auch Visionär Han Shan – der Multimillionär, der sein Vermögen verschenkte, um dann als Bettelmönch in die thailändischen Wälder zu gehen – hat einen Ratschlag aus buddhistischer Sicht:

"Man kann als Manager nicht irgendwo hinkommen, ein Volk ausnehmen und wieder gehen. (...) Wer langfristig erfolgreich sein will, muss vorher geben und in lokale Strukturen investieren. Der Energiefluss kommt sonst nicht in Gang."

Könnte fremd und naiv klingen in den Ohren raubtierkapitalistischer Unternehmer. Doch die Karriere des Hermann Ricker, so hieß Han Shan in seinem "ersten Leben", beweist, dass sich Erfolg und soziale Grundsätze nicht ausschließen.



30.01.2010 - Visionäre im Talk mit Jürgen Fliege
Mehrere Sendeplätze im Februar und März

Die Zeit verging wie im Fluge auf der Couch von Fliege. Eine halbe Stunde sprachen wir in seinem TV-Studio in Karlsruhe über die wahren Visionäre unserer Zeit. Ausstrahlung des Talks ist am 9. und 18. Februar, jeweils um 16 und 22 Uhr auf BWFamilyTV (in Baden-Württemberg über Kabel zu empfangen) und an den gleichen Tagen um jeweils 16.30 Uhr auf RheinMainTV (europaweit über Satellit sowie im Rhein-Main-Gebiet über Kabel und Antenne zu empfangen) sowie im Internet unter www.juergen-fliege.de.


Ich gehöre zu denen, die Jürgen Fliege und dessen unermüdliche christlich-spirituelle Arbeit immer geschätzt haben. Denn Fliege denkt nicht in konfessionellen Doktrinen, sondern ist als evangelischer Kirchenmann ungewöhnlich offen. Er vertritt das neue, ganzheitliche Denken: Sämtliche Glaubensrichtungen entspringen der gleichen Quelle.

Passend dazu ein Zitat aus meinem Buch. Darin sagt der ungarische Philosoph Ervin Laszlo: "Alle Religionen basieren auf Spiritualität. Alle ursprünglichen Einsichten der großen Propheten waren spiritueller Natur. Sie hatten noch die Verbindung zur Natur, haben deren Kräfte gespürt und versucht, ihre Erlebnisse in Worte zu fassen. Diese Erlebnisse wurden dann allerdings durch die institutionalisierte Religion von der ursprünglichen, inspirierenden Empfindung abgekoppelt. Was geblieben ist, sind oft leere Rituale und einseitige Lehren. Der direkte Zugang zu einer höheren Wirklichkeit bleibt den Priestern vorbehalten. Die Religionen müssten wieder mehr zurück zu den spirituellen Grundlagen, die sie bedingt haben!"


Weitere Gäste bei Fliege TV werden die beiden Visionäre Georg Thurn-Valsassina (Architekt) sowie Tilo Plöger (Manager und Schamane) sein. Die beiden Fotos in diesem Blog-Eintrag schoss Bettina Amann.  


28.01.2010 - Brüder, zur Sonne!
Was das Unternehmen Desertec plötzlich mit der rheinischen Heimat zu tun hat

Vorhin telefonierte ich mit meinem "alten" Religionslehrer Helmut Knies und erzählte ihm von dem Visionärs-Buch. Er wurde sofort hellhörig. "Sagt Dir Desertec etwas?", fragte er mich. "Und ob! Dieses Megaprojekt, das die Sonnenenergie in den afrikanischen Wüsten einsammeln will. Warum?" – "Weil mein Bruder Gerhard diese Vision initiiert hat", sagte er mir. Mensch, das wusste ich nicht. Dieser Gerhard Knies ist also der Bruder meines Religionslehrers, der mir damals die Bergpredigt erklärte.


Und in der Tat, eine gewisse Ähnlichkeit ist da, in Optik und Stimme, wie ich bei CNN nachprüfen konnte: www.youtube.com/watch?v=QXURvISjh2A.

Dr. Gerhard Knies sagt: "In sechs Stunden erreicht die Wüsten mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem Jahr konsumiert." Über die neuesten Entwicklungen seines Projekts referiert Knies am Samstag, 7. Februar, 11 Uhr, im Völkerkundemuseum in Hamburg. Alles über Desertec unter www.desertec.org/.



28.01.2010 - Neue Lösungen müssen ihre Chance bekommen
Highlight der heutigen Presseschau in der SZ

Mein Lieblingsartikel in der Süddeutschen Zeitung von heute versteckt sich im Wirtschaftsteil auf Seite 20. Caspar Busse und Martin Hesse haben Nikolaus von Bomhard interviewt. Der Chef des Rückversicherers Munich Re spricht weise Worte zur globalen Krise und der Verantwortung der Politik.


Er sagt auf die Frage, ob wir denn genug aus unserem Wissen machten: "Die Herausforderungen sind heute oft sehr komplex, wie etwa die Klimaproblematik, das muss sich auch in den Lösungen widerspiegeln. Es kommt darauf an, die besten Köpfe aus unterschiedlichen Disziplinen an einen Tisch zu bekommen. Dann verliert das Risiko etwas von der Bedrohlichkeit, die aus Nichtwissen besteht. Aber Wissen allein reicht nicht. Unverzichtbar ist es, dann auch zu handeln. Hier braucht man nicht immer, aber oft die Politik."

Ein paar Zeilen tiefer antwortet er auf die Frage, ob es richtig sei, die Verursacher zur Kasse zu bitten: "Viel wichtiger noch ist es, dass Lösungen gefunden werden, die eine Wiederholung der Krise verhindern. Es geht um richtige Krisenprävention. Wir müssen das Übel an der Wurzel packen, eine solche Finanzkrise darf nicht noch einmal eintreten. Der Schlüssel liegt im Umgang mit den Risiken."

Bomhards Aussagen decken sich mit meinem Recherchen: Die Lösungen sind da! Nur lässt man die "besten Köpfe aus den unterschiedlichen Disziplinen" bisher nicht wirklich ran. Die Kräfte der Besitzstandswahrer sind immer noch erdrückend bis vernichtend. Daher kann ich meinen Visionären nur tiefen Respekt entgegenbringen. Denn trotzdem kämpfen sie beharrlich und idealistisch weiter.


28.01.2010 - Bilaal Rajan fordert die kanadische Jugend heraus
Die nächste Erdbeben-Spendenaktion des visionären UNICEF-Kinderbotschafters läuft

Natürlich kann einer wie Bilaal Rajan in Anbetracht des gewaltigen Erdbebens von Haiti nicht untätig bleiben. Rajan ist der jüngste meiner Visionäre und sammelt seit seinem vierten (!) Lebensjahr Geld für notleidende Kinder. Jetzt forderte er kanadische Jugendliche heraus, in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis je 100 Dollar zu sammeln. Die Gesamtsumme wird über den Haiti Emergency Fund von UNICEF ins Katastrophengebiet gegeben. Zum Vergleich: 2004 hatte Bilaal Rajan eine Earthquake Challenge nach dem Tsunami in Asien veranstaltet und konnte so 1,8 Millionen Dollar einsammeln.


Bilaal sagt: "Thousands of people in Haiti have died, and an estimated 300000 are homeless. The challenges of the Haitian people won't go away overnight, but young Canadians can make an enormous difference. I know that youth across Canada will step up to the plate and make every effort to help the children of Haiti who are suffering."

Im Zuge meiner Buchrecherchen erzählte ich jemandem von Bilaal Rajan. Er fragte mich süffisant: "Was ist am Spendensammeln denn visionär?" Ich habe ihm mit einer Gegenfrage geantwortet: "Ist es normal, dass sich ein vierjähriges Kind für die Leidenden dieser Erde einsetzt und bis heute nicht von dieser Mission abzubringen ist?" Nein, das ist nicht normal. Normal ist leider - betrachtet man die große Masse - eine bedrückende Untätigkeit. Ein globales Bewusstsein bei einem Kind, das in Engagement mündet, aber ist vorbildlich.

Einen kleinen, humorvollen Ansporn gab Bilaal seinen jugendlichen Spendensammlern mit auf den Weg. Zu Ehren des Schülers, der die größte Summe organisieren wird, will sich Bilaal den Kopf scheren lassen: "That's right. I am going to shave my head!"

Bilaals Blog auf www.bilaalrajan.com/blog




28.01.2010 - Blick nach Davos - Auftakt des Visionärs-Blogs
Es geht los: Jeden Tag meine Kommentare zur globalen Krise und zu den Aktivitäten der Visionäre

Guten Morgen, liebe Leser. Es ist Donnerstagfrüh. Während das ZDF-Morgenmagazin läuft, schreibe ich den ersten Eintrag meines Visionärs-Blogs, und ich könnte schon allein aufgrund dieser Sendung ein halbes Dutzend Kommentare abgeben. Lassen wir das, sondern richten wir unseren Blick nach Davos, wo gerade das World Economic Forum stattfindet.

In Anbetracht bisheriger politischer Halbherzigkeit bin ich doch ein wenig beeindruckt von der aufrüttelnden Rede Nicolas Sarkozys. Der französische Präsident fordert eine grundlegende Reform des Weltwährungssystems. Wörtlich sagte er: "Der Kapitalismus ist nur zu retten, wenn wir ihn reformieren, wenn wir ihn wieder moralischer machen." Und: "Wir kommen nicht aus der Krise heraus, wenn die ökonomischen Disbalancen, die die Wurzeln des Problems sind, nicht angegangen werden."
Große Worte, die Hoffnung tragen. Sollte sich die Politik tatsächlich den Wurzeln zuwenden und nicht mehr bloß Symptombekämpfung und Notfallhilfe betreiben? Sarkozy wird sich an dieser Rede messen lassen müssen. News aus Davos sind unter www.weforum.org nachzulesen.

Übrigens: In Davos wird auch einer meiner Visionäre zu Gast sein: Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Er sitzt am Samstag, 31. Januar, in einem Diskussions-Panel mit dem Titel "Rebooting the Global Economy".

Ein letzter Hinweis: Joseph Stiglitz wird nach seinen Bestsellern zur Globalisierung im März 2010 sein neues Buch veröffentlichen. Es trägt den Titel "Im freien Fall - Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft". Als wir uns in New York trafen, war er ebenfalls gerade am Schreiben und sah sich den nahenden Deadlines gegenüber.